"Krieg in Amerika und Aufklärung in Hessen – Neue Quellen zu den Hessen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg"

Prof. Dr. Holger Th. Gräf vom Hess. Landesamt für geschichtliche Landeskunde referierte kürzlich in Hessisch Lichtenau zu seinem jüngst abgeschlossenem Forschungsprojekt aus dem Archiv der Familie von Gilsa. „Krieg in Amerika und Aufklärung in Hessen – Neue Quellen zu den Hessen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg“ lautete der Titel seines Vortrages.

Im Januar 1776 schloss Landgraf Friedrich II. einen Vertrag mit Großbritannien, in dessen Folge bis 1783 fast 20.000 Soldaten aus Hessen-Kassel gegen die rebellischen nordamerikanischen Kolonien kämpfen. Im Archiv der Familie von Gilsa wurde im März 2007 eine Ledermappe mit 140 rund 230 Jahre alten, teilweise von Mäusezähnchen und Papierwürmern angenagten "Briefen von meinen Freunden, besonders aus America" entdeckt. In ihnen schildern junge Offiziere ihrem Freund, dem hessischen Kriegsrat Georg Ernst von Gilsa, ihre Eindrücke von Land und Leuten, offenbaren ihre Ängste und Nöte, berichten von Kriegsmüdigkeit und Selbstmorden, aber auch von Hochachtung vor dem Feind und von ihrer Begeisterung für die Neue Welt. Eine solche Menge an unzensierten Privatbriefen war bislang unbekannt und ist von größtem wissenschaftlichem Interesse. Denn die Briefe liefern eine Vielzahl von intimen Ansichten, die in den offiziellen Berichten und Korrespondenzen so nicht vorkommen. Zusätzliche Bedeutung erlangt das Material durch den glücklichen Umstand, dass sich auch das Tagebuch Georg Ernsts von Gilsa erhalten hat, in dem er den Erhalt der Briefe von seinen Freunden notiert und teilweise über deren Inhalt reflektiert. Man erhält dadurch also ein sehr lebendiges Bild der zeitgenössischen Wahrnehmung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in Deutschland. Die Briefe und das Tagebuch liegen nun in gedruckter Form vor.

 
 

Prof. Dr. Holger Th. Gräf vom Hess. Landesamt für geschichtliche Landeskunde.