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weitere Verfolgung der alten Straße war nicht möglich, da die heutige Landstraße von Bingen nach Coblenz dieselbe bedeckt.

2) Die genaueste Kenntniß dieser Römerstraße ergab die am 23. Juli d. J. nach wiederholtem vergeblichen Suchen derselben erfolgte Entdeckung eines Bruchstückes derselben in der Gegend des Mausthurmes durch den Unterzeichneten. Ermöglicht wurde diese und viele andere antiquarische Entdeckungen durch die großartigen Ausschachtungsarbeiten am Fuße des Rupertsberges (District in der Schmalzkaut) behufs Erbreiterung des Bahnhofs zu Bingerbrück. Unseren Mitgliedern ist über den Beginn dieser Arbeiten unterm 4. Nov. 1859 bereits Bericht erstattet in dem kleinen Aufsatz über die drei ersten Grabstein-Funde und die kretischen Bogenschützen, die wir als Besatzungstruppen im Castel Bingium dadurch kennen lernten (Vgl. Per. Bl. Nr. 11 S. 309 - 311). Die im Laufe des Sommers in größter Ausdehnung und mit erhöhter Aufmerksamkeit fortgesetzten Ausgrabungen haben nun eine solche Masse römischer Gräber und Grabalterthümer zu Tage gefördert, daß sich diese Stelle als eine wahre archäologische Fundgrube erwies, deren Fundergebnisse die Aufmerksamkeit der rheinischen Archäologen wohl noch geraume Zeit in Anspruch nehmen dürften. Die Münzen, soweit sie uns zu Gesicht gekommen, reichen durch die ganze Zeitperiode vom Ende des ersten bis über die Mitte des vierten Jahrhunderts hinaus; die Steinsärge, 6 an der Zahl, zwischen den vielen Hunderten einfacher Plattenkisten und ganz uneingefaßter Gräber unregelmäßig vertheilt, enthielten Thon- und Glasgefäße von einfacheren, wie von den elegantesten Formen; sämmtliche begrabene Todten lagen mit dem Kopf rheinabwärts und schauten nach Osten; am interessantesten aber waren die weiteren inschriftlichen Funde und der Nachweis der Heerstraße, die an den Gräbern und Grabsteinen einst vorüber führte. Ueber beides möge daher hier eine kurze Mittheilung genügen.

Da wir die vorgefundenen Monumente oben S. 309 mit Nr. I–III bezeichnet haben, so fahren wir in dieser Numerirung fort. Ende Juni fand sich :

IV. Ein Grabstein von hellgelblichem Sandstein, breit 2´ 8´´, hoch 2´, dick 11´´, mit einem 10´´ hohen und 1´ 9´´ breiten, 9´´ starken stielartigen Fuß. Seine am linken Rand etwas beschädigte Inschrift lautet :

 

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