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Detmold, von dem er wußte, daß er Empfehlungsbriefe an Bülow besitze. Er bat Detmold, ihm eine Zusammenkunft mit Bülow’s Kammerdiener zu verschaffen. Da Detmold aus dem Benehmen des Polizeiagenten den Plan errieth, so stellte er sich, als sei er zu einer Hülfsleistung dieser Art bereit. Er benachrichtigte den Kammerdiener Bülow’s von allem, um was es sich handle und vergewisserte sich der Standhaftigkeit desselben gegen Bestechungsversuche. Dann bewirkte er dessen Zusammenkunft mit Dumoulin, in welcher sich ersterer den Verhaltungsvorschriften Detmold’s gemäß benahm, aber auch seinen Herrn von Allem unterrichtete. Auf diese Weise sicher gemacht, wagte Dumoulin eines Tages in das Kabinet des Ministers einzudringen, um dort Papiere zu entwenden oder hinzulegen. Hier wurde er von den bereitstehenden Leuten des Ministers überrascht, und nachdem er durchgeprügelt worden, verhaftet und ins Castell abgeführt. Der Plan war auf diese Weise gescheitert, die hohen Gönner Dumoulin’s aber nahmen sich seiner an und so großen Ernst man anfänglich auch in der Untersuchung affektirte, so ließ man ihn doch endlich sicher über die Gränze gelangen. Auf Veranlassung dieses Vortrags machte Herr Bibliothekar Dr. Bernhardi auf einen im Journal des demoiselles unlängst zu Paris unter der Ueberschrift „Mémoires d’une vieille femme“ erschienen Aufsatz aufmerksam, welcher interessante Mittheilungen über Personalverhältnisse in Kassel aus jener eben so glänzenden als traurigen Zeit enthält.

11. September. Herr Dr. Kolbe sprach in einer ungemein fesselnden Weise über Euricius Cordus. Nachdem er zuerst auf die Bedeutung der lateinischen Dichtungen in der Reformationszeit hingewiesen, ging er zu einer Charakterisirung der beiden hessischen Dichter Eoban und Cordus über. Spezieller zu dem letztern sich wendend, zeigte er dann dessen Stellung zur Reformation, sowohl in humanistischer als nationaler Hinsicht ; schilderte die Bedeutung seiner Schriften, welche man gewissermaßen als eine Geschichte der öffentlichen Meinung des Mittelstandes betrachten könne ; gedachte seines Namens, seiner Jugend, seiner Bildung zu Frankenberg, seines Verhältnisses zu Landgraf Wilhelm II, dessen Leichenfeier und schloß seine interessanten Mittheilungen, nachdem er noch über die Eklogen des Cordus gesprochen, mit der Erzählung einer Winterreise desselben von Erfurt in seine Heimath Simmtshausen, auf welcher Cordus in die übergetretene Schwalm stürzte und nur mit genauer Noth dem Tode entging.

 

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