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XXXI

nahm in wahrhaft erschreckender Weise überhand und die schärfsten Massregeln dagegen waren fruchtlos. Zwar schlugen sich die bei den Armeen befindlichen Truppen im Ganzen brav, doch fehlten auch hier bedenkliche Anzeichen nicht, wie vor Allem der in der Nacht vom 22. zum 23. August bei Reichenberg in Schlesien stattgefundene Uebergang der Husaren-Brigade zu den Oestreichern. Welchen Eindruck diese That in Kassel machte, kann man aus dem Tagesbefehl vom 31. August ersehen. Es war daher kein Wunder, dass sich der König trotz der zahlreichen Truppen und trotz aller Ergebenheitsadressen derselben nicht mehr geheuer fühlte und dass das Erscheinen des Generals Czernischeff mit 2000 Pferden (zum grössten Theil Kosacken) und 6 leichten Geschützen, hinreichend war, ihn zum Verlassen seines Landes zu vermögen. Der klägliche Znsammenbruch des Königreichs Westfalen kann hier nur ganz kurz angedeutet werden.

Am 27. September früh brach der General Czernischeff von Mühlhausen auf, traf am 28. mit Tagesanbruch vor Kassel ein und nahm in raschem Anlauf die untere Neustadt fort, wobei 2 Geschütze in seine Hände fielen. Der Angriff auf die verbarrikadirte Fuldabrücke scheiterte aber an dem Mangel an Infanterie. Der König übergab das Commando an den General Allix und verliess in grosser Eile mit der Garde-du-Corps, mit den Garde-Grenadieren und der neugebildeten Garde-Fussbatterie die Stadt. Nachdem er zuerst in einer Stellung an der Knallhütte die Ankunft des Generals v. Bastineller vergebens erwartet hatte, wurde am Abend der Abmarsch über Wabern nach Marburg angetreten, welchem der König über Wetzlar nach Koblenz vorauseilte. Mit Einbruch der Dunkelheit riss unter den Truppen die Desertion ein, in Wabern fehlte schon ein Drittel derselben und an den folgenden Tagen liefen sie gänzlich auseinander.

Der General v. Bastineller war mit der Kürassier-Brigade, dem 3. leichten Bataillon und 2 Geschützen in das Eichsfeld vorgeschoben und hatte bei dem Gerücht von dem Nahen der Russen den Befehl erhalten, nach Kassel zurückzukehren. Am 27. Abends traf er in Witzenhausen ein; am 28. setzte er sich auf Kassel

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