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LXI

bestehende Schule unter dem Rektor Holz, dem die Präceptoren Herrmann, Werner und Heberer zur Seite standen. 1614 erliess Katharina Belgika, die Wittwe des Grafen Philipp Ludwig II., eine Schulordnung „die Hanauer Schuldiener-Bestallung“, auf welche die reformirten Lehrer oder Schuldiener bis ans Ende des vorigen Jahrhunderts verpflichtet wurden. Sodann ging der Vortragende auf das Schulwesen der 1597 gegründeten neuen Stadt Hanau über. Die in derselben angesiedelten Wallonen und Niederländer Hessen sich alsbald nach Erbauung der Stadt die Gründung eigener Schulen ihrer Sprache und ihres Bekenntnisses angelegen sein. Die Quelle, woraus der Vortragende seine Notizen über die Schulen der Neustadt geschöpft hat, sind die Rathsprotokolle. 1614 am 25. Juni wurde im Rath mit den Pfarrern über die Einrichtung des Religionsunterrichts berathen, 1626 am 2. Februar der Bürgermeister Hans von Utenhofen und Daniel de Lattre zu Schulvisitatoren ernannt, 1632 über Festsetzung des Schulgeldes und Bestellung eines Armenschullehrers berathen. Durch den dreissigjährigen Krieg waren die Schulen der Neustadt sehr in Verfall gerathen. Deshalb erliess der Rath am 4. März 1672 unter Zuziehung der Pfarrer und Consistoriales (Mitglieder der beiden Presbyterien) eine Schulordnung, welche Reorganisation und Hebung der Volksschulen zum Zweck hatte. Dieselbe enthält sehr gesunde pädagogische Grundsätze. Das Lehrziel ist nahezu das unserer jetzigen einklassigen Volksschule. Bemerkenswerth ist, dass die Kenntniss der französischen und niederländischen Sprache, welche die Ansiedler mitgebracht hatten, schon so abgenommen hatte, dass der Rath es für nöthig hielt, die Lehrer anzuweisen, sie sollten streng darauf halten, dass in den Schulen blos französisch und niederländisch geredet werde. Diese Schulordnung wurde am 2. Juni 1684 durch ein Statut für den Schulvorstand vervollständigt. In demselben wird auch der mittlerweile errichteten Armenschule Erwähnung gethan. Dieselbe war durch milde Beiträge der Gemeindeglieder gestiftet worden. Bei dem Regierungsantritt Friedrich Kasimirs von Hanau-Lichtenberg kam in der Altstadt mit der Gründung einer lutherischen Gemeinde zu der reformirten

 

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