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photographische Abbildung des in Aussicht genommenen Thurmes wurde zur Ansicht herumgereicht. Hierauf hielt Herr Hauptmann v. L’Estocq den angekündigten Vortrag über: „Die alten Hausmarken in ihrer Bedeutung als Zeichen des Besitzes und in ihrer Beziehung zu Wappen und Steinmetzzeichen“. Der Vortrag wurde durch vertheilte Abbildungen der in Betracht kommenden Zeichen erläutert.

Der Gebrauch der Hausmarke ist altgermanischen Ursprungs und findet sich derselbe im ganzen germanischen Europa vor und zwar überall in einer nicht zu verkennenden Gleichmässigkeit, ein Beweis dafür, dass gleichmässige Gesetzbegriffe der Einrichtung zu Grunde liegen. Die Hausmarke stammt aus der Zeit der Vertheilung der germanischen Mark, Gemarkung durch das Loos. Sie ist ein Zeichen, womit das bewegliche und unbewegliche Besitzthum gekennzeichnet wurde. Die Runenschrift ist die älteste Loosschrift für die Hausmarke. Die Benutzung der Runenzeichen zu Inschriften datirt nachweislich aus dem 5. Jahrhundert nach Chr. und endet erst mit der Zeit des 30jährigen Krieges. Runenkalender waren noch damals im Volksgebrauch. Auch nachdem die Runenschrift aufgehört hatte, Priestersprache zu sein, wurde dieselbe für die Hausmarke verwandt. Letztere, welche einen rechtlichen Untergrund hat, unterscheidet sich wesentlich von dem Wappen, sie will nur kennzeichnen, nicht versinnbildlichen. Der Adel, die Bürger und das Landvolk bedienten sich zu allen Zeiten gleichmässig der Hausmarke, die einen dinglichen Ursprung hat, sie ist ein rechtsgeschichtliches Kennzeichen; das Wappen mit den Kennzeichen Helm und Schild ist eine Auszeichnung, eine ritterliche Einrichtung, losgelöst vom Grundbesitz, wie die Marke nur ein Zeichen des Besitzes ist. Künstler, Steinmetzen etc. führen mitunter auch ihre eigene Hausmarke und bringen sie auf ihren Werken als Künstlerzeichen etc. an, wobei dies nicht auf den Besitz, vielmehr auf das Schaffen deutet. So ist ein derartiges Zeichen, offenbar das eines Steinmetzen und zugleich eine aus Runenschrift gebildete Hausmarke desselben an dem Judenbrunnen zu Kassel erhalten. Die Hausmarke und das Steinmetzzeichen sind nahe verwandt, sie sind nicht willkürlich

 

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