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42 Entschuldigung bemerken, dass Unterofficiere und Mannschaften lediglich das Bestreben hatten, den Schimpf einer Katzenmusik von ihren Vorgesetzten fernzuhalten, und dass wie die Untersuchung ergeben hat, die intellektuelle Urheberschaft des Excesses lediglich auf die Garde-du-Corps-Officiere zurückfällt, die nicht die Energie besassen, ihre Mannschaften von dem beabsichtigten Angriffe, von welchem sie genaue Kenntnis hatten zurückzuhalten. Die beklagenswerthe Angelegenheit fand am 15. December ihren Abschluss zu Hofgeismar durch die Verurtheilung von 5 Officieren und 41 Wachtmeistern, Unterofficieren und Gemeinen. Nachdem Redner geendet, machte Herr Major von Stamford etwa folgende Mittheilung: Es wäre zu verwundern wenn ich nicht sprechen würde. Denn ich war damals selbst Artillerieofficier und befand mich zur Zeit der Plünderung des Zeughauses am Schauplatz der Ereignisse. Ich war an dem fraglichen Abend im Circus Renz gewesen und hatte mich nach Schluss der Vorstellung zunächst nach meiner in der Weserstrasse gelegenen Wohnung begeben. Von meinem Fenster aus sah ich Bürgergardisten und andere Leute mit Geschrei vorübereilen, hatte aber keine Ahnung, was eigentlich los war. Jedoch argwöhnte ich, dass irgend ein Anschlag in der Luft liege und eilte nach der Artilleriekaserne, wo die Artillerie im Alarm ausrückte. Das Zeughaus wurde angegriffen, bald sah man alle Fenster desselben erleuchtet, wüster Lärm erscholl die Kanoniere begannen laut zu murren dass „unser Zeughaus“ geplündert wurde. Wir Officiere warteten auf einen Befehl zum Handeln. Da bat ich meinen Batteriechef um Gestattung, vom Pferde abzusitzen und vor das Zeughaus mich zu begeben. Der Batteriechef, Hauptmann v. Schmid und ein anderer Officier, sowie ich selbst gingen auf den Zeughausplatz unter die Menge, die durch die offenen Thore des Zeughauses ein- und ausströmte. Es war ein wüster Auftritt, diese jungen Leute, unter denen sich nur wenige Bürger befanden, mit Waffen in der Hand umherlaufen zu sehen. Mit stillem Ingrimm sahen die zur Unthätigkeit verurtheilten Kanoniere, welche mit brennenden Lunten dem Zeughause gegenüber die Nacht hindurch bei ihren Geschützen standen, diesem Treiben zu. Die Menge kümmerte sich aber nicht um uns, und ich schritt hierauf durch die Gassen dem Martinsplatz zu wo ich nur wenige Menschen fand. Ich kehrte dann um und begegnete in der Nähe des „Weissen Hofes“ dem ersten Commandanten von Cassel, Generalleutnant von Lepel, den der Platzmajor Hauptmann Stahle begleitete. Er kam offenbar von dem nahegelegenen Zeughause und hatte sich also von den Hergangen daselbst überzeugen können. Ich eilte zu meiner Truppe zurück in der Erwartung, dass wir nun zum Einschreiten kamen. Es geschah aber nichts, und so ging die Plünderung weiter. So ist also vor allem General von Lepel für die Unthätigkeit der Truppen verantwortlich zu machen und dafür mit Recht bestraft worden.
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