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preußisch, spricht vom „Rumpf-Bundestag“ u. s. w. Das mag ja wohl eine ganz paßende Bezeichnung für das unglückliche Institut sein, aber mir gefällt der Ton nicht. Die „Hanauer Zeitung“ brachte einen Aufruf der Prinzessinnen Anna und Luise von Hessen, der Fürstin von Hanau und ihrer beiden Töchter (der Fürstin Ysenburg , die ihrem Vater nach Stettin gefolgt ist, und der Prinzessin Marie). Sie sammeln Verband zeug, Charpie u. s. w. für unsere Truppen. Ich freute mich über die Vereinigung, welche die Not unter den hessischen Fürstinnen zu Stande gebracht. Der Kurfürst hat noch von Wilhelmshöhe aus eine Prokla mation an „Mein getreues Volk“ erlassen, die aber erst verspätet und auf Umwegen in unsere Blätter gelangt ist. Sie gefällt mir sehr gut, so kurz, ernst und den Verhältnissen entsprechend ist sie gefaßt; die Angestellten werden dadurch einer Beunruhigung ent hoben.“ 1) Montag, den 2. Juli. Die Kapitulation der Hannoveraner wird kurz berichtet. „Unsere Hessen sind nach Mainz gekommen, Prinz Alexander von Hessen, durch Bundesbeschluß ihr Oberbefehlshaber, wollte sie an die Spitze des Armeekorps stellen, das Hessen zurückerobern soll, aber sie waren zu schlecht im Stand. Nur die Husaren sind dazu geblieben 2). Einmal ging das Gerücht, in Schleswig-Holstein seien die Dänen wieder eingefallen, doch scheint das unbe gründet. In Italien, bei Custozza , haben die Österreicher gesiegt, in Schlesien und Böhmen scheinen die Preußen im Vorteil zu sein. Herr v. Werder ist Gouverneur von Hessen, Herr v. Möller Administrator des Kurstaates geworden. Fast täglich rücken neue Truppen ein und aus; auf allen Plätzen ist Musterung. Donnerstag, den 5. Juli war die Rede von Friedens- [Friedensunterhandlungen] __________ 1) Durch die Proklamation vom 23. Juni 1866 forderte der Kurfürst die Beamten auf, während seiner Gefangenschaft „die ihren bisherigen Amtsverhältnissen entsprechenden Funktionen fort zuführen“. 2) Das zu 2 kriegsstarken Schwadronen formierte 2. Husarenregiment (jetzt Hus.-Regt . Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg [2. kurhessisches] Nr. 14).
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