Aus Stadt und Land
Gerstenberg-Chronik kehrte nach Frankenberg zurück

Für die Stadt Frankenberg war es ein herausra­gendes Ereignis: Erstmals kehrte die handge­schriebene Chronik, die Wigand Gerstenberg (1457-1522) verfasst hat, in die Ederstadt zurück, in der er aufwuchs. Äußerst vorsichtig, mit gedämpftem Licht und weißen Schutz­handschuhen, wurde das kostbare Stück einen Tag lang im Foyer der Volksbank Mittelhessen behandelt.
Zur Vernissage mit vielen Gästen präsentierte Dr. Axel Halle (Mitte) außerhalb der Sicherheitsvitrine den Frankenbergern die Gerstenberg-Chronik aus seiner Kasseler Handschriftensammlung. Mit ihm schauten sich (von links) Volker Remmele, Vorstandsmitglied der Volksbank Mittelhessen, Waltraud Theiss, Regionaldirektorin, Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde und Bürgermeister Christian Engelhardt als Schirmherr das kostbare Stück an.

Foto: Karl-Hermann Völker

Zur Ausstellungs-Vernissage „Wigand Ger­stenberg - Bilder aus seinen Chroniken" drängten sich über 150 interessierte Frankenberger um die Vitrine mit der fast 500 Jahre alten Stadtchronik, und die Mauritius-Kapelle im Heimatmuseum konnte später beim Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, zu dem der Frankenberger Zweigverein eingeladen hatte, die Besucher kaum fassen.
„Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass das Geschichtsbewusstsein und die Identität dieser Stadt gepflegt und gefördert werden", sagte Dr. Axel Halle, Leiter der Universitätsbibliothek Kassel. Dort werden neben der Frankenberger Gerstenberg-Stadtchronik etwa 10.000 historische Handschriften im Gesamtwert von mehr als 190 Millionen Euro aufbewahrt. Die Frankenberger Stadtchronik und die Landeschronik von Thüringen und Hessen wurde mit anderen Zimelien 1939, als der Zweite Weltkrieg begann, sofort in Sicherheitsverwahrung ausgelagert und entgingen so der Zerstörung. „Das zeugt davon, welche überragende Bedeutung diesen Schriften für Geschichtsbild und Erinnerungskultur in Hessen beigemessen wird", so der Kasseler Bibliothekschef.
Die herausragende Stellung der bebilderten Landes- und Stadtchroniken des Frankenberger Priesters Wigand Gerstenberg (1457-1522) würdigte auch Bürgermeister Christian Engel­hardt in seinem Rückblick auf die Stadtgeschichte. Er dankte als Schirmherr besonders Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, Direktorin des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde in Marburg, für ihre Initiative zur Vorbereitung der Ausstellung, sowie der Volksbank Mittelhessen, die die hohe Versicherungssumme für die wertvolle Frankenberger Chronik übernommen hatte.
Den ganzen Tag über mussten die Marburger Historikerin und Dr. Konrad Wiedemann, Leiter der Handschriftenabteilung der Uni-Bibliothek Kassel, ebenso fachkundig wie geduldig im Bank-Foyer die Fragen der Besucher beantworten. Dabei zeigte sich, wie sehr die Frankenberger sich für ihren Stadt- und Landeschronisten interessierten.
„Sicher haben die Zeichnungen in der Gerstenberg-Chronik keine Dürer-Qualität", meinte Prof. Braasch-Schwersmann bei der Vernissage. Aber hier werden Alltag, lebensnahe Umwelt und Bilder der Herrschenden gezeigt, die damals

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