Dokumentation zum Tag der Hessischen Landesgeschichte am 19. September 2009 in Kassel
175 Jahre 1834−2009  Verein für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel 1834 e.V.

 

man hinter dem Museum Fridericianum zum Zwehrener Turm, dem letzten erhaltenen mittelalterlichen Torturm Kassels; er stammt im Kern aus dem 14. Jh., als die Stadt um die sog. Freiheit erweitert wurde. Seine heutige Gestalt erhielt er um 1780; damals wurde er als Observatorium mit dem Museum verbunden. Durch die gotische Torhalle fällt der Blick auf das Elisabethhospital von 1586/87, welches auf ein ehem. Aussätzigenspital zurückgeht und von Wilhelm IV. als Alterssitz für Hofbedienstete neu errichtet wurde. Rechter Hand steht das Ottoneum: 1603–1606 als erster fester Theaterbau Deutschlands unter Landgraf Moritz erbaut, unter Landgraf Karl zum Kunsthaus umgebaut. Die Garnisonkirche (7) wurde 1757–1770 errichtet und diente seit 1816 auch als Hofkirche. 1943 ausgebrannt, wurden die Außenmauern später z. T. abgebrochen; heute wird die Ruine als Restaurant genutzt.
Der Druselturm (8) von 1415 ist der letzte erhaltene Rundturm der mittelalterlichen Stadtmauer; hier lag die Haupteintrittsstelle eines ca. 5 km langen künstlichen Grabens, welcher seit dem 14. Jahrhundert jede Straße der Freiheit mit dem Wasser des Druselbachs versorgte. Im späten 17. Jahrhundert schuf man zwar innerhalb der Stadt ein unterirdisches Rohrnetz, aber mittags und nachts wurde weiterhin ein Teil des Wassers zur Reinigung durch die Straßen geleitet. Seit dem 16. Jh. sammelte man es zudem in einem Teich vor dem Turm und leitete es bei Bränden gezielt zur Brandstelle. Auf dem östlichen Teil des Martinsplatzes (9) stand ursprünglich das Freiheiter Rathaus (ab 1421 das Tuchhaus).
Die ca. 1330 gegründete Freiheit bildete zunächst ein eigenes Gemeinwesen, und um die Neugründung zu fördern, erhielten die Bewohner anfangs bestimmte Privilegien und v. a. Abgabenfreiheit (daher stammt der Name dieser „oberen Neustadt“). 1385 wurden schließlich Altstadt, Unterneustadt (jenseits der Fulda, vor 1283 gegründet) und Freiheit rechtlich zusammengeschlossen, mit gemeinsamen Rat und Siegel. Der Bau der Martinskirche (M) wurde bald nach 1330 begonnen und war 1366 soweit fortgeschritten, dass ein Kollegiatstift eingerichtet werden konnte. Fortan waren die Chorherren häufig zugleich in der landgräfl. Kanzlei tätig. Die Martinskirche war die größte und prächtigste der niederhessischen Hallenkirchen, und wie alle anderen Kasseler Bauten aus Mittelalter und Renaissance muss man sich auch diese Kirche ursprünglich verputzt vorstellen. Die Bauarbeiten zogen sich bis 1462 hin, die Doppeltürme wurden sogar erst 1889–1892 neugo-tisch vollendet. 1943 wurde die Kirche bis auf Chor, Sakristei und Außenmauern zerstört und 1954–1958/61 stark verändert neu aufgebaut. – Gegenüber der Martinskirche sind am Haus Martinsplatz 2 noch Säulenportal und Treppenhaus von ca. 1710 erhalten: Der ehem. Stadtsitz der Familie von Dörnberg diente ab 1767 als Gouvernement und von 1832 bis 1873 als Höhere Gewerbeschule; hier wurden in der westphälischen Zeit die Aufständischen des Dörnbergschen Aufstands verurteilt, hier lehrten die Chemiker Bunsen und Wöhler, die Neugotiker Ungewitter und Schäfer sowie der Nationalökonom Winkelblech. Der Rückweg von der Martinskirche zum Ständeplatz führte über den kreisrunden Königsplatz (10); (nach 1767 angelegt) und die Wolfsschlucht (11); (mit dem vom Abbruch bedrohten sog. Henschelhaus).

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