Zweigvereine 41
weniger Monate eine Verfassung erarbeiteten
und die innenpolitische Situation befrieden
konnten. Der Referent streifte die Folgen des
neu eingeführten Frauenwahlrechtes (hierzu
ist ein eigenes Referat geplant) und resümierte,
dass, entgegen erster Erwartungen, Frauen
eher den bürgerlichen Parteien zuneigten,
anstatt die Arbeiterparteien zu wählen. Mühlhausen
hob abschließend die positiven Aspekte
der Revolution von 1918 hervor und schloss
damit, dass man das Scheitern der Weimarer
Republik 1933 keinesfalls von ihrem Beginn
her bewerten sollte. Dies sei letztendlich
mehreren Faktoren geschuldet, so die in weiten
Bevölkerungskreisen als diskriminierend
empfundenen Bestimmungen des Versailler
Vertrages und die dauerhaft schwierige wirtschaftliche
Situation, die letztendlich mit der
Wirtschaftskrise Ende der 1920 Jahren den
Feinden der Republik in die Hände spielte.
Weit zurück warf Archäologe Claus Bergmann
M.A. den Blick, indem er „Neue Erkenntnisse
zum römischen Limes an Main
und Kinzig“
präsentierte. Diese Region hat
Anteil am seit 2005 als UNESCO-Welterbe
geschützten Obergermanisch-Raetischen
Limes.
Das mit 550 km Länge größte archäologische
Bodendenkmal Mitteleuropas reicht
von Rheinbrohl am
Rhein bis Eining an
der Donau
und bildete
ab 85 n. Chr. über
150 Jahre die Grenze
zwischen den römischen
Provinzen
Obergermanien und
Rätien und dem freien
Germanien. In Großkrotzenburg
stieß der
Limes
auf den „nassen
Limes“
(Main), was
geopolitisch von großer
Bedeutung war.
Der Ort wurde durch
ein Kohortenkastell
bewehrt, für das eine keltische Hilfstruppe, die
COHORS IIII VINDELICORUM
belegt ist. Neue
Forschungsergebnisse u. a. aus dem Kreisgebiet
wie z. B. in Neuberg ergrabene Befunde
von mehreren Feuerstellen an den Wehrtürmen,
sprechen für dauerhaftes Campieren der
wachhabenden Trupps an den Türmen.
Der Zweigverein Gelnhausen kooperierte
auch mit anderen Vereinen und Institutionen.
So stellte Vorsitzender Michael Lapp
seine Anfang 2019 publizierte Dissertation
„Konfessionsbegriffe im Werden“ gemeinsam
mit dem lokalen Geschichtsverein Meerholz-
Hailer und der ev. Kirchengemeinde in
der Schlosskirche Meerholz vor. Hierin befinden
sich Statuen von Luther und Calvin in
der Kanzelwand. Dem Kirchenbesucher stehen
so die beiden Protagonisten der evangelischen
Lager vor Augen. Anfang des 17. Jahrhunderts
führten die beiden Richtungen der

Von links: Kurt Hanselmann, Vorsitzender des Geschichtsvereins
Meerholz-Hailer, Ralf Göbert, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde
Meerholz-Hailer, Dr. Michael Lapp (Foto: Manfred R. A. Fuchs)
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