Zweigvereine 31 die Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei ermöglichte sie neue Einblicke, wie z. B. die eher unbekannte Tatsache, dass sich zum Dank für ihr Engagement für den NS-Staat allen Pflegenden ab 1938 „Krankenschwester“ nennen durften, eine Bezeichnung, die zuvor nur von Diakonissen und Ordensschwestern verwendet wurde. Viele dieser dann „Gemeindeschwester“ genannten Frauen bespitzelten die Familien in den ihnen zugewiesenen Ortschaften. Die Referentin stellte zudem auch mutige Krankenschwester vor, die Widerstand leisteten. Dr. Michael Lapp nahm in seinem Vortrag seine Professionen als Pfarrer und Lehrer für Religionsunterricht in den Blick und beschäftigte sich mit der geistlichen Schulaufsicht im „langen 19. Jahrhundert“. Bis zum Ende des Kaiserreiches 1918 hatte der Pfarrer die Dienstaufsicht über den Lehrer an den örtlichen Volksschulen auszuüben – eine Konstellation, die je nach Amtsführung zu Konflikten oder zur fruchtbaren Zusammenarbeit führen. Die Schulaufsicht der evangelischen Geistlichen erstreckte sich – wenn auch seit den 1870er-Jahren unter geänderten Vorzeichen – auch auf jüdische Volksschulen. Der Referent stellte dabei aufschlussreiche Befunde über das Verhältnis von „Kirche und Synagoge“ dar. Mit Prof. Dr. Walter Mühlhausen, ehemals Geschäftsführer der Reichspräsident-Friedrich- Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, referierte schließlich ein profilierter Kenner zum Thema Hessen in der Weimarer Republik. Die Region Kinzig bildete dafür den besonderen Referenzrahmen; liegen doch die in den 1920er-Jahren noch selbstständigen hessischen Territorien – Volksstaat Hessen(-Darmstadt) und die preußische Provinz Hessen-Nassau – mit Wiesbaden und Kassel eng beisammen. Diese bildeten in der unsicheren Weimarer Republik eine feste demokratische Bastion, die lange den antidemokratischen Stürmen der Zeit trotzte, während anderswo die Nationalsozialisten bereits zur Machtübernahme schritten. Mühlhausen beleuchtet die außergewöhnliche Entwicklung Hessens als genuiner Hort der Republik, bis auch hier die Feinde der Demokratie deren ersten demokratischen Versuch auf deutschem Boden zerstörten. Die Vorstandsmitglieder waren regionalgeschichtlich aktiv. Beide sind in der Redaktion des Gelnhäuser Jahrbuches aktiv, engagieren sich mit Seminaren an der Universität Mainz oder verfassen wissenschaftliche Rezensionen für gesamthessische Publikationen. Dr. Michael Lapp / Christine Raedler M. A. Dr. Michael Lapp (rechts) mit dem Referenten Prof. Dr. Walter Mühlhausen (Foto: ZV Gelnhausen)
vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite
 
 
vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite