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Nassau. Annalen des Vereins für nassauische Alterthumskunde etc. zu Wiesbaden: 6r Band 3s Heft. K. D.

 

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Sprechsaal.

Auffindung altgermanischer Gerippe, Waffen, Töpfe, Kämme, Perlen etc. in den innerhalb des Dorfes Bessungen (bei Darmstadt) gelegenen Gärten.

 

Mitten in Bessungen zwischen der Schulstraße und der Sandgasse, östlich des Forstmeisterplatzes erhob sich der sogenannte Vollhardsberg, der von seinen ehemaligen Besitzern diesen Namen erhalten hatte, und vor etwa 20 Jahren in kleinere Parcellen an die umwohnenden Häuserbesitzer verkauft wurde. Die Bodencultur befand sich bisher in einem verhältnißmäßig sehr mittelmäßigen Zustande, da der trockene Flugsand nur geringe Aerndten ermöglichte.

Aus diesem Grunde war es dem Unterzeichneten, welchem die Ausfüllung und das Nivellement der Höfe der neuen Artilleriekaserne oblag,, und der deshalb nach einer günstig und nahe gelegenen Abhebestelle forschte, möglich, die Besitzer der betreffenden Gärten, die früher aus ihren Höfen in letztere mittelst 12–15 Fuß hoher Treppen hinauf steigen mußten, für einen großartigen Abhub, – der sich von 6–24 Fuß Tiefe erstreckte - zu gewinnen.

Bei dieser Vornahme fanden sich durchschnittlich in einer Tiefe von 4–6 Fuß Gerippe, die in Betracht der Stärke der Knochen meist kräftigen Männern angehört zu haben scheinen. Einzelne Gerippe mögen der Form der Becken nach weiblichen Ursprungs sein.

Bezüglich des Lebensalters bemerkt man große Verschiedenheit und gibt hierbei wohl die Abnutzung der Zähne, welche letztere theilweise außerordentlich gut erhalten sind, den besten Maßstab der Beurtheilung. Der Gesichtsbildung nach gehören sie offenbar der kaukasischen Race an, die Schädel erscheinen übrigens dadurch höchst interessant, daß bei sehr schmaler Stirn ein lang gestreckter, breiter Hinterkopf alle Gerippe kennzeichnet und dieselben einem bestimmten Volksstamme angehören läßt.

Abgesehen von mancherlei Verwerfungen durch frühere Kautenanlagen, Setzen von Bäumen etc. übte die verschiedene

 

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