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Hertz, Berlin 1860, und gab bei dieser Veranlassung einen kurzen Abriß von dem Leben und Wirken dieses begabten und fruchtbaren „Dichterkönigs“, wie ihn die bewundernde Mitwelt nannte. Es lag nicht in der Absicht des Verfassers jenes Vortrags, neue Untersuchungen über so manche noch nicht ganz aufgeklärte Lebensverhältnisse des Eobanus anzustellen. Die Ergebnisse der neuesten Forschungen, namentlich von David Strauß (in seinem Hutten), und von F. W. Kampschulte (die Universität Erfurt) sind jedoch zu einem kurzen Lebensbild recht gut benutzt. Der Referent bemerkte zugleich, daß von den vier namhaften „Humanisten“, welche aus dem jetzigen Hessen damals hervorgegangen waren: Ulrich von Hutten, Eobanus Hessus, Mutianus Rufus und Euricius Cordus in neuerer Zeit nur der erstere einen würdigen Biographen und einen dieser Aufgabe gewachsenen Herausgeber seiner Schriften (Ed. Böcking) gefunden habe, dass jedoch die drei anderen ebenfalls eine solche Anerkennung verdienten.

9. August. Herr Pfarrer Karff von Obermeiser entwarf eine geographische Schilderung des Chattengebiets zur Zeit der Römer.

Nach der Vorbemerkung, daß Tacitus im zweiten Theile seiner Germania die deutschen Staaten (nicht Völkerschaften) seiner Zeit aufführe, und namentlich die Chatten damals einen Staat gebildet hätten, versuchte der Redner dessen Darstellung. Er hob hervor 1) daß die Chatten als Genossen des Suevenbundes anfänglich und vorzüglich von Cäsar mit dem Namen Sueven bezeichnet werden und erst seit August’s Zeiten, wo auch sie diesen Bund verlassen, unter ihrem eigenen Namen aufgetreten seien. 2) Ihr Gebiet habe sich erweitert: zuerst nach Südwesten durch Eroberung des ganzen Ubierlandes, dessen südwestlichen an den Taunus und Rhein grenzenden Theil sie nach Drusus den Römern überließen, sodann nach Norden durch die Verjagung des letzten Cheruskerfürsten Chariomir, und endlich hätten sie auch die in ihren, im ersten Jahrhundert n. Chr. mit den Mattiakern gegen die Römer gemachten Feldzügen den nördlich vom Vogelsberge gelegenen Theil des Mattiakerlandes besetzt und behalten; 3) suchte er die Grenzen dieses Ge­bietes zu bestimmen, und zwar mit Hülfe der im Mittelalter noch bestandenen kirchlichen Gebiete, und 4) ihre Grenznachbarn zu bezeichnen, nämlich die römische Unterthanen: Mattiaker und Ubier (Ingriones et Intuergi ), ferner die freien Staaten der Tenkterer (und

 

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