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möge hier bezüglich unserer Kapelle nur der vor zwei Jahren erfolgten Einsetzung der sechs großen Fenster in Glasmosaik, der im vorigen Jahre geschehenen Einsetzung der vier Fenster im Chörlein mit vollständigen Glasgemälden (aus der geschickten Hand des Herrn Bethyne von Gent), sowie der im letzten Sommer vollzogenen Bemalung von Decke und Gewölbrippen und der Ausschmückung des Altarraums mit Teppichen u. s. w. gedacht werden, um eine Andeutung von der Größe der Opfer zu geben, welche hier einem Denkmal altdeutscher Kunst zugewendet wurden. Dem edlen Kunstfreunde, Herrn John Sutton aus Brüggé in Flandern, hat der Vorstand unseres Vereins, in voller Anerkennung dieser Verdienste um unser Land, ein Ehren-Diplom überreichen lassen. Die Kapelle, seit Menschengedenken verwahrlost und dem Ruine überlassen, wird am Valentinstage nächsthin durch einen feierlichen Gottesdienst ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder zurück gegeben werden.

9) Die Erweiterung und streckenweise Tieferlegung des von der Lahn bei Nassau zu dem Burgberg hinan führenden Promenadenwegs veranlaßte am 5. November d. J. die Auffindung eines uralten Grabes, etwa 400 Fuß über dem Spiegel der Lahn, 50 Schritte unterhalb der Ringmauer der uralten Stammburg, an dem steilen Nordabhang des Berges. Das Garb, in eine in den Fels gebrochene muldenförmige Vertiefung gelegt, war mit einer 2´ hohen Mauer im Viereck umschlossen; die Langseiten waren noch 10´ lang und standen 8´ von einander ab; nur die in dem Rain belegene Schmalseite der Mauer war noch vorhanden, die gegenüberstehende, die gerade in den Steilabfall der Böschung hineingefallen sein muß, war (ohne Zweifel bei der früheren ersten Anlage dieses Weges) weggebrochen worden. Der Boden der Gruft war mit rauen, fest aneinanderschließenden Steinen förmlich geplättet; eine Decke fehlt und führte der frühere Weg nur 3´´ oberhalb der Mäuerchen hinweg. Ursprünglich war die Gruft unter einer 3´ bis 4´ hohen Erddecke verborgen. Dieser ganze Raum von 8´ Breite, 10´ Lange und 2´ Höhe war nun mit Gefäßen und mit Asche und Erde vollständig gefüllt. Die Gefäße, nach unten konisch zugespitzte germanische Trinkbecher von ordinärem Thon, waren mit Grund ausgefüllt, viele derselben mit einem pfropfenartigen Verschluß aus Speiß oben verschlossen. Merkwürdig war die Stellung dieser Gefäße im Inneren der Gruft. Alle diese konischen

 

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