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Gefäße waren nämlich jedes Mal zu dreien schräg wider einander gestellt und mit den Mundstücken an einander gelehnt; vier solcher Gruppen umgaben eine mehr bauchige, mit Asche gefüllte Urne, die die Mitte der Gruft einnahm. An jeder Langseite standen in gleichen Abständen 4 solcher Gruppen, ebensoviel an der Schmalseite, am weggebrochenen Rande wurden mehrere bauchige Urnen mit cylindrischem Halse bemerkt. Knochenasche und Erde füllten alle Zwischenräume. Leider wurde durch die Unkenntniß des mit dem Wegebau beschäftigten Finders das Meiste von diesen Stücken zerstört, ehr Sachverständige davon Kenntniß erhielten und Einhalt geboten. Als durch Herrn Amtsaccessist Siebert dem Museum die erste Nachricht zuging, war das Grab schon zerstört und die Fundstelle dem übrigen Erdboden gleich gemacht. Mehr als ein Wagen voll Knochenasche war auf die Beete im Burgbering als Dünger aufgebracht, das Meiste von den (etwa 42 spitzen und 5 oder 6 bauchigen) Gefäßen zerstört oder doch stark beschädigt worden. Gleichwohl hatte Herr Siebert, sowie Herr Renteigehülfe Oberender eine ziemliche Anzahl Gefäße, darunter einige wohl erhaltene, noch gerettet und nebst Proben von Asche u. s. w. aufbewahrt, was Alles dem Conservator bei seiner Einsichtnahme am 12. Dezember übergeben wurde. Bereits verdanken wir Herrn Ingenieur Seebold eine von Herrn Martin mit vieler Sorgfalt ausgeführte zeichnung des Fundes und einen sehr genauen Situationsplan über Berg, Fluß und Stadt, als willkommenes Material zu einer künftigen genaueren Darstellung des Fundes. Die offenbaren Spuren von Leichenbrand – noch im December war die über der Gruft die Böschung bildende Erde ganz brandroth anzusehen – die primitive Einfachheit der ungehenkelten, meist schlecht gebrannten Gefäße, die Beerdigung am steilen Bergesabhang im Dickicht des Waldes: Alles läßt eine Anlage aus frühgermanischer, jedenfalls vorchristlicher Zeit muthmaßen, deren nähere Bestimmung jedoch durch den gänzlichen Abgang aller metallenen Beigaben, von denen keine Spur zu finden war, schwierig ist. Jedenfalls haben wir hier ein Denkmal der frühesten menschlichen Cultur des Lahnthals, seine Ueberreste werden daher im Landes-Museum die entsprechende Aufstellung finden.

Die winterlichen Vorlesungen des Vereins im Saale des Museums haben am 14. December mit einem Vortrag

 

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