..

472

 

Obwohl nun diese Uebelstände in den Schriften des historischen Vereins für das Großherzogthum Hessen anerkannt weniger, als anderwärts fühlbar geworden sind, so konnten doch während einer 25jährigen Thätigkeit nicht alle Spuren derselben unbemerkt bleiben, und so rechtfertigt sich denn auch materiell der mehr berührte Antrag aus einem erkannten Bedürfniß. – Der Ausschuß des Vereins mußte seither abwarten, ob ihm von da oder dort eine Arbeit angeboten, eine Anfrage gestellt wurde, er kannte die große Mehrzahl der Mitglieder persönlich gar nicht und diese wohnten ebenfalls oft dicht beisammen, ohne von ihrer Genossenschaft im Verein zu wissen. So fehlte es für den Ausschuß an jeder sicheren Möglichkeit, sich solche localen Nachrichten zu verschaffen und für die Mitglieder an allem ungezwungenen und frischen Ideenaustausch. Mancher hätte vielleicht eine Arbeit unternommen, wenn er in der Nähe von einem Mitforscher vertrauliche Winke über das aufzusuchende Material hätte erhalten können, wenn er eine Conjectur, die in ihm aufstieg, erst einer freundschaftlichen Discussion hätte unterziehen können, bevor er sie zu Papier und vor das Forum einer ihm fremden Redaktionscommission bringen wollte. Wanderversammlungen einer größeren Anzahl von Forschern und ein gemeinsames Besichtigen interessanter Localitäten in anregender Geselligkeit und bei schöner Jahreszeit konnten noch weniger aufkommen und in den Theilnehmern einen frischen, belebenden Eindruck zurücklassen. Und doch ist es ein so natürliches Bedürfniß, unter Gleichgesinnten sich auszusprechen, einer Vereinigung eine lebendige, nicht blos eine papierne Existenz zu verschaffen! – Auch wir wollen im Sommer uns zuweilen in der schönen Natur zusammenfinden, einen historisch wichtigen Gegenstand mit eignen Augen im Kreise werther Freunde besichtigen, um dann vielleicht im Winter das so Eingesammelte, in froher Erinnerung, mit Ernst näher zu prüfen und auszuführen. Doch damit es dazu kommen könnte, müssen sich zuerst die Genossen auf dem Lande sammeln, sich verständigen, damit, wo ein froher Zug sich hinwendet, die Gleichgesinnten leicht zu finden und unter diesen geeignete Führer und Dollmetscher zu begegnen sind. – Dort hofften wir dann z. b. von einem Geistlichen ächte Volkssagen, Züge aus dem Kultur- und Sittenleben an Ort und Stelle zu vernehmen, während uns da ein Jurist im grünen Walde von interessanten Resten einer Markverfassung, die denselben einschloß, erzählte, der von

 

..