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[Gelegen]heit hatten ihre Kräfte im Verkehr mit Genossen zu messen, aber im Gespräch mit Ausschussmitgliedern sich zu überzeugen, daß es noch mancherlei Arten giebt, für den Verein wirksam zu werden. Dem soll nun abgeholfen werden. Gerade die Leute, welche ihr Auge in der unmittelbaren Betrachtung von Dingen und Zuständen üben, sollen aufgemuntert werden, den Productionen des Vereins näher zu treten, während allerdings zugleich der Dilettantismus, wo er zu einseitig würde und sich ohne rathende Beihülfe auf ferne Gebiete verlöre, zurückgehalten werden soll. – Haben doch alle Verein von Dilettanten und so auch unsere Geschichtsvereine besonders Verirrungen bei ihren Mitgliedern hinsichtlich der Wahl der Aufgaben zu beklagen gehabt, und war es ja gerade dieses, was mitunter Fachgelehrte zu einer ununterschiedlichen Verachtung ihrer Leistungen gebracht hat. Allerdings ist es unbillig und zeigt von pedantischer Verranntheit, wenn man nur deshalb auf eine historische Arbeit vornehm herabsehen wollte, die etwa ein Geistlicher oder Jurist, ein Arzt oder Künstler auf einem seinen Studien verwandten Gebiete geliefert hat, weil der Verfasser zufällig keinen Lehrstuhl einnimmt; denn es ist anerkannt, daß der gesunde Blick von Practikern (mit zulänglichen theoretischen Kenntnissen) oft genug den gelehrten Wust und die falsche Auffassung wieder aus unserer Rechts-, Leben-, und Geschichtsanschauung fortschaffen mußte, die einseitige Kathederweisheit dorthin verpflanzt hatte und ein „Dilettantismus“ in diesem Sinne ist immer achtenswerth und nützlich! – Dagegen war es freilich bei allen Vereinen, die ihre Productionen aus freiwilliger (unentgeltlicher) Thätigkeit schöpften, nur allzu häufig, daß ihre Mitglieder sich nicht ihre Aufgaben in dem ihrem Wissen Nächstliegenden oder ihrer localen Forschung Zugänglichen suchten, sondern gerade umgekehrt mit Vorliebe in Gebiete streiften, welche für sie vorher völlige terra incognita waren. Wenn freilich solche Versuche nachher von den Fachgelehrten vornehm ignorirt wurden und den betreffenden Vereinsschriften wenig Credit gaben, so war dies keine ganz unverdiente Strafe der Eitelkeit, unter welcher nur zu oft Unschuldige mit leiden mußten. Gutes blieb zwischen Schlechtem unbeachtet und in der Fremde wußte man nicht immer, wie weit schonende Rücksicht für den guten Willen, der sich etwas ungeschickt angetragen, die Sichtung der Spreu vom Waizen verhindert hatte.

 

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