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Sprechsaal.

Hartmuts des Aelteren von Cronberg Ruhestätte.

Bauliche Veränderungen am Fußboden der Schloßkapelle zu Cronberg gaben dem Unterzeichneten Anlaß, bei dieser Gelegenheit einige antiquarische Untersuchungen im Innern der Kapelle anzustellen. Im Munde der Leute hatte sich nämlich die Sage fortgepflanzt, der 1813 verstorbene Pfarrer habe die zwei an der nördlichen Wand der Kapelle innerhalb einer Monumental-Einfassung ehemals knieenden Figuren – unbekannt aus welchem Motiv – von da wegthun und unterhalb des Monuments im Boden der Kirche vergraben lassen. So unwahrscheinlich die Sache auch klingen mochte, immerhin war eine Untersuchung wünschenswerth und wurde zu dem Ende am 27. Juni d. J. eine förmliche Ausgrabung unterhalb des bezeichneten Monuments vorgenommen.

1) Unterhalb einer Brettverschalung entdeckte sich zuerst, an der Chorwand anstoßend und mit der Bildseite nach oben liegend, ein sandsteinernes Monument, 4´ 7´´ breit, 7´ 6´´ lg., 10´´ dick, auf welchem ein Ritter dargestellt war, im linken Arm den gekrönten Stech-Helm, zur Seite den Cronberger Wappenschild, in der unteren Ecke zwei kleine allianceartig neben einander gestellte Wappenschildchen (soviel man noch erkennen kann: Oberstein und Cämmerer von Worms ). Die Rechte stützt sich auf das Schwert, Stulphhandschuhe und Schnabelschuhe sind noch gut erkennbar, aber von der Umschrift war nichts zusammenhängendes mehr zu entziffern; nach dem Kostüm wird der Stein um die Mitte des 14. Jahrh. gefertigt sein.

2) Dicht an dieses mit seinem Fußende anstoßend, liegt ein zweites ebenso kolossales Epitaph: 8´ 8´´ lang, 4´breit, 10´´ dick, von Sandstein, dem übrigens noch übler mitgespielt worden ist, als dem ersteren. Die ganze Bildseite ist bis auf die Leiste an der Wand ausgetreten, schwache Konturen eines linken Armes und einer Spitze des Gewandes sind noch sichtbar. In der unteren Ecke ist links der Cronberger Schild (vom Flügelstamm), recht ein anderes Wappen gebildet, das einem Vierblatt ähnelt; von der Umschrift war nur noch zu lesen . . . . millesimo nonagesimo sexto . . . . . ob. dns . . .

3) Oberhalb des erstgedachten Steines steht ein wohlerhaltenes, nur mit weißem Anstrich aufs schändliche über-[tünchtes]

 

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