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[überge]tünchtes Grabmal in der Wand, mit zwei lebensgroßen Figuren und architekt. Einfassung im spät gotischen Stiel. Auf dem Inschriftstein zu Füßen stand in zwei Zeilen zu lesen: ANNO. M. D.V. I. AM XIX TAG. APRILIS STARB DER FROM. UND STRENGE HER JOHAN. VON CRONBERG RITTER. Da jedoch der Name des Frauenbildes vermißt wurde, auch noch für mehrere Zeilen leerer Raum auf dem Steine war, so wurde derselbe näher untersucht und es entdeckten sich die Fußpunkte einzelner ausgemeißelten Buchstaben. Hierauf wurde diese ganze Fläche von der Tünche rein gekratzt und sauber gewaschen, worauf noch vier Zeilen Schrift (wenigstens in den Kopf- und Fußstrichen erkennbar) zum Vorschein kamen. Darnach lautet die Fortsetzung der obigen Inschrift: DER ZEIT VICEDOM ZU ASSCHAFFENBURG DEM GOT GEN AD. DERNACH IM IAR MD XXV---------------------------------S STARB DIE ERBAR FRAW CLARA GEBORN VON HE (Imsta) DT HERN IOHANNS VON CRONBERGK RITTERS HAUSFRAW DER GOT GNADE Die Ergänzung des Familien-Namens der Frau (Zeile 3) ergibt sich aus dem Wappenschilde zu ihren Häuptern; die Lücke in der Zeile 2. bezeichnet ein stehen gebliebenes Klotz des Steines selbst, auf welchem der Todestag der Frau sollte eingehauen werden, was aber unterblieben ist. Was seiner Zeit dazu veranlaßt haben mag, diese unschuldigen vier Zeilen mit vieler Mühe ausmeißeln zu lassen, ist räthselhaft. 4) Ein wo möglich noch traurigeres Loos als das der Eltern hat das daneben stehende Epitaph des Sohnes betroffen, das für uns insofern das weitaus meiste Interesse erregt, als es über der Gruft des älteren Hartmut, des s. g. Reformators, errichtet ist und einst sein und seiner Gemahlin Anna Bildniß in knieender Stellung enthielt. Merkwürdiger Weise hat in diesem Jahrhundert kein Mensch mehr gewußt, daß dieser Hartmut in der katholischen Schlosskapelle ruhe; alle Welt glaubte, daß er als Protestant doch in der lutherischen Stadtkirche ruhen müsse und manche stille Verwünschung hat das Andenken des sonst so hoch verdienten Ober-Pfarrer Christ getroffen, der in den neunziger Jahren bei einer größeren Kirchen- Renovation, um Platz für einige Stühle zu gewinnen, ein größeres Monument (Mann und Frau in liegender Haltung) aus der Kirche habe hinausschaffen und zerstören, das alte Gitterwerk um dasselbe herum aber verkaufen lassen, was in der That theilweise heute noch als Treppengeländer am
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