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XIII

gewöhnliche Regsamkeit der Kaiserlichen wahr, aus deren Lager bereits die Verwundeten und Kranken nebst dem grössten Theil der Artillerie und dem Tross auf das linke Mainufer nach Steinheim fortgeschafft wurden. Ueber die wirkliche Stärke der landgräflichen Truppen dagegen war Lamboy offenbar nicht unterrichtet.

Durch diese Ungewissheit scheinen seine eigenen Massregeln in sehr ungünstiger Weise beeinflusst worden zu sein. Wenigstens vermochte er sich weder zum Angriff noch zum Rückzug, ja nicht einmal zur Concentration seines Corps zu entschliessen ; er entschied sich vielmehr für eine Art „Mittelweg", d. h. er schob eine schwache, aus Fussvolk und Reiterei zusammengesetzte Vorhut (gegen 500 Mann) bis in die Höhe des Kinzigheimer Hofes und in den Köbler Wald vor und zog den 1500 Pferde zählenden Rest seiner Cavallerie südlich der Kinzig, in der Nähe des Lehrhofs zusammen, behielt aber im übrigen sämmtliche Schanzen des rechten Mainufers, ausser dem Brückenkopf bei Steinheim, stark besetzt. Damit verzettelte er seine Truppen auf einer Linie von 14000 m Länge, welche obenein von der Kinzig, über die nur eine einzige schmale Brücke zu seiner Verfügung stand, in zwei sonst völlig getrennte Theile gespalten wurde. Es war dies unter allen Umständen der schlechteste Entschluss, welchen Lamboy überhaupt fassen konnte und zu dem er sich offenbar durch ein allzu pedantisches Kleben an der herkömmlichen unfruchtbaren Theorie der verhängnisvollen Circumvallations-Linien hatte verleiten lassen. Dieser unverzeihliche Fehler genügte schon allein, um die Kaiserlichen dem Landgrafen rettungslos in die Hände zu liefern.

In der Morgendämmerung des 23. Juni begannen sich die hessischen Vorposten bereits mit dem Feinde am Kinzigsheimer Hof herumzuschiessen, ohne dass es aber vorläufig zu einem ernsteren Gefecht gekommen wäre. Bald nach Sonnenaufgang liess Wilhelm V. im Lager das Morgengebet verrichten, hielt an die versammelten Truppen eine, von fürstlicher Zuversicht and freudigem Gottvertrauen zeugende Ansprache und befahl dann den Aufbruch. In dem Augenblick, als

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