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LXXXV

 

3) Zu Marburg.

Im Januar hielt Herr Dr. Böckel einen längeren Vortrag über Volkslieder im Allgemeinen und Oberhessische Volkslieder im Besonderen. Auf die auf Grundlage umfangreichster Kenntniss der einschlägigen Literatur beruhende allgemeine Abhandlung näher einzugehen ist hier um so weniger der Ort, als Herr Dr. Böckel inzwischen sein Werk im Buchhandel bei N. G. Elwert in Marburg herausgegeben hat. Der für uns Hessen wichtigste zweite Theil des Vortrags ging auf die jetzt noch in Oberhessen gesungenen Volkslieder näher ein und wurde von dem Herrn Verfasser aus der reichen Fülle seines Materials eine ganze Anzahl meist ungedruckter hessischer Volkslieder mitgetheilt und erläutert. Diese an die einzelnen Volkslieder geknüpften Erläuterungen wiesen dem einzelnen Liede seine richtige Stellung an, und wiesen ähnliche ältere und neuere Lieder nach. Jeder Freund hessischen Volkswesens sei hiermit auf das hochinteressante Buch hingewiesen.

Februar den 27., Sitzung im Museum. Eröffnet 8½ Uhr durch Conservator Bickell in Abwesenheit der zwei anderen Vorstandsmitglieder. Vorgelesen wird Bückings Aufsatz über die Bedeutung des Läutens der Glocke in der Michaelscapelle zu Marburg und die Geschichte dieser Capelle und ihres Todtenhofes. Darnach machte Dr. Reimer Mitteilungen über Bauten an der Hersfelder Stiftskirche in den Jahren von 1730— 1748 und den Zustand derselben nach der Zerstörung im Jahre 1761. An der sich anschliessenden Discussion betheiligten sich besonders Bickell und Landgerichtsrath Gleim, die den gegenwärtigen Zustand schilderten und namentlich betonten, dass wichtige schön ornamentirte Theile noch jetzt durch eine staatliche Anstalt unverantwortlich gefährdet seien. Herr Bickell berichtete sodann über seine Reise im vergangenen Winter nach Spangenberg. Auf Anregung des Dr. Reimer wurde sodann über die Ausgrabungen am Weissenstein gesprochen und Beschluss gefasst, dass die im Herbst eingesetzte Commission zur Berichterstattung aufgefordert werden sollte.

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