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LVII

einmal auf in einem von ihm verfassten Schauspiel, dessen Manuscript sich noch in Paris befindet und den Titel führt: „Das Klärchen von Hanau oder der 13 Junius 1636.“ Das Ehepaar wohnte nach dem glaubwürdigen Zeugnis hiesiger Gewährsmänner anfangs in dem Jakobi'schen Hause, Ecke der Fronhofstrasse, welches ein Wirthshaus war, dann aber bei Kittsteiner, Salzgasse 28. Während des bis 1828 dauernden Aufenthalts in Hanau wurde ihm auch die einzige Tochter Fanny geboren, die sich mit dem Maler Rösler von Cernay im Oberelsass verheirathete, der noch in Paris lebt und dessen Tochter Herr Dr. Stichler manche dan-kenswerthe Nachricht über Spindler verdankt. In Hanau vollendete Spindler den schon 1823 begonnenen cultur-geschichtlichen Roman „Der Bastard“ (Zürich 1826) und schrieb zwei, unter dem Titel „Zwillinge“ im Jahre 1825 bei dem Buchbinder und Buchhändler Edler erschienene Novellen: „Der Vampyr“ und „Friedmüllers Sannchen“. Die letztere ist insofern für Hanau von besonderem Interesse, als sie eine Episode aus der hiesigen Localgeschichte, die Befreiung der Stadt von der Ramsay'schen Militärherrschaft durch Winter von Güldenborn, behandelt. Sie spielt in dem Fecher'schen Haus, Metzgergasse 6. Darauf folgten die grösseren Romane: „Der Jude“ und der auch noch in Hanau geschriebene „Jesuit“, ersterer 1827, letzterer 1829 in Stuttgart erschienen. Der „Jude“, sein unstreitig bestes und bedeutendstes Werk, welches noch heute gelesen zu werden verdient, spielt am Ende des 15. Jahrhunderts in Frankfurt und Umgegend, Bergen, Vilbel, Friedberg und Gelnhausen und gibt ein frischet, und geschichtlich treues Bild der damaligen Zustände, des mehr und mehr entartenden Ritterthums, des auf den Juden ruhenden Drucks, der Frankfurter Messen u. s.w. Welche gründliche, sich selbst bis in den Talmud erstreckende Studien der Dichter zu diesem Romane gemacht hat, zeigte das der Versammlung vorgelegte, von den Erben freundlich überlassene „Sudelbuch“ Spindlers, ein Heft mit zahlreichen, im Juden benutzten geschichtlichen Auszügen und Vermerken. Spindler bot den Juden, einer mündlichen Ueberlieferung zufolge, erst dem Buchhändler Edler für ein Honorar von 2000 Gulden zum Druck an.

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