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LXXII In der sich anschliessenden Besprechung des Vortrags bemerkte Herr Major Dahm, dass er die Construction der rhätischen Grenzmauer nicht als massgebend für die Einrichtung der Limes-Castelle ansehen könne, da der Zweck beider ein gänzlich verschiedener sei. Die Teufelsmauer entspreche hinsichtlich ihrer Bestimmung dem obergermanischen Pfahlgraben; bei beiden Anlagen könne, im Hinblick auf deren grosse Längen-Ausdehnung, von einer nachhaltigen Vertheidigung — und demzufolge auch von entsprechenden Vertheidigungs-Einrichtungen — nicht die Rede sein. Ueberdies sei nicht bewiesen, dass die an dieser Mauer allerdings vorhandenen Strebepfeiler oben verbunden waren. Hauptsächlich aber spreche gegen die Hypothese des Herrn von Roessler der Umstand, dass das vom Kreisrichter Conrady aufgefundene, 12 m. lange und 5,70 m. hohe Mauerstück des Castell Wörth, soweit sich dies bis jetzt habe feststellen lassen, Scharten nicht enthalte; es liefere dies einen vollgiltigen Beweis dafür, dass letztere in diesem Castell jedenfalls nicht vorhanden gewesen seien. Ausserdem wären bei dem Castell Niederbieber die Zwischenthürme bez. Pfeiler nicht an der Innen-, sondern an der Aussenseite der Mauer angebracht gewesen und hätten also nicht als Widerlager für einen Wehrgang dienen können. Ferner müsse er die Besatzung der Castelle (durchschnittlich gegen 500 Mann) für zu schwach erachten, als dass sie nach Ausscheidung der unerlässlichen Reserve, noch im Stande gewesen sei, den Wall mit zwei Kämpferreihen zu besetzen. Endlich würden Scharten für die damalige Bewaffnung sehr unbequem gewesen sein und hätten namentlich für die Handhabung des pilum eine solche Grösse erhalten müssen, dass dadurch die Sturmfreiheit der Befestigungen beeinträchtigt worden wäre. Der Schriftführer, Herr Oberstlieutenant Wille, hielt es keineswegs für ausgemacht, dass der Wall und der Grabenquerschnitt der Castelle gleichen Flächeninhalt gehabt haben. Abgesehen davon, dass der Graben vor den Ecken oder ausspringenden Winkeln naturgemäss ohnehin schon mehr Erde liefere, als der dahinter liegende und somit kürzere Wall bedürfe, hätten den Römern in der unterworfenen Bevölkerung des Hinterlandes ohne
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