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XIV dieser neuen Räume zum Abschlusse gelangt waren, konnte im April und Mai 1885 der Umzug erfolgen und bald darauf der neue Lesesaal eröffnet werden. Mit berechtigtem Stolze konnte Duncker hervorragendere Besucher in den angemessen, würdig und schön ausgestatteten neuen Räumen herumführen. — Ein kurzes Jahr nur war es ihm beschieden, sich hier seines Werkes zu freuen: da entriss ein jäher Tod den scheinbar kerngesunden Mann der Familie, der Bibliothek, der Wissenschaft. Die Leichenöffnung ergab als Todesursache ein faustgrosses Eitergeschwür an der Leber. Hell und heiter waren ihm die letzten Lebensjahre dahingegangen: glückliche Familienverhältnisse — ein geliebtes Weib und sechs gesunde und fröhlich gedeihende Kinder —, ein Wirkensgebiet, wie es seinem Sinn und seiner Seele so recht zusagte, eine schier unerschöpfliche Schaffenskraft, der Erfolg und Anerkennung nicht versagt blieben, alles vereinigte sich, um ihm die Gegenwart angenehm und die Zukunft aussichtsreich und vielversprechend erscheinen zu lassen Drei Jahre vor seinem Tode war es ihm vergönnt, den sonnigen Süden Italiens zu sehen, das zweitausendjährige Ziel der Sehnsucht für die Besten unseres Volkes. Im April 1886 erhielt er in Anerkennung seiner persönlichen Verdienste mit Genehmigung des Unterrichtsministers den ihm vom Communallandtage schon seit längerer Zeit zugedachten Titel Oberbibliothekar; eine neue erheblich verbesserte Gehaltsfolge war ihm als leitendem Beamten schon vorher zugebilligt worden. Vieles hatte er erreicht, als der Tod ihn abrief, mehr noch schien er zu erreichen bestimmt. Sein Hauptwerk würde wohl, wäre er am Leben geblieben, eine Hessische Geschichte geworden sein, an der er schon lange gearbeitet hatte; ein Buch, welches in lesbarer, für die weitesten Kreise bestimmter Form geschrieben, doch alle sicheren Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung in sich aufnehmen sollte. Das Material für den ersten Band dieses Werkes fand sich, zu einem gewissen Abschlusse gebracht, doch nicht druckfertig, in seinem Nachlasse vor. Auch eine Beschreibung seiner im Frühjahre 1883 unternommenen Italiänischen Reise hat er handschriftlich hinterlassen:
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