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CII

Scherz des Kurfürsten August zu Sachsen über die Fruchtbarkeit der Landgrafen zu Hessen (1578).

Mitgetheilt von Theodor Distel in Dresden.

Als dem Landgrafen Wilhelm IV., dem Weisen, zu Hessen von seiner Gemahlin Sabine, einer Tochter Herzogs Christoph zu Württemberg, am 19. October 1578 das zehnte Kind, Christiane, die spätere Gemahlin Herzogs Johann Ernst zu Sachsen-Eisenach, geschenkt worden war, wünschte Kurfürst August zu Sachsen unterm 25. desselben Monats Glück, indem er hinzufügte:

»Und wiewol wir e. 1. auß treuem herzen gonnenn, das derselben geliebte gemahel durch gothlichen segen die anzal der zehen kinder, so ire 1. ir selbst bestimmet, nuhmer ereicht haben, so ist sich doch darob so hoch nicht zu verwundern, sintemal sonst das gerüchte [gehet], das die landtgrafen zu Hessen mehr zwirn, alß andere leut in gemain, im beuttel haben sollen1), zu deme weiset gleichwoll daz werck aus, das e. 1. geliebte gemahel bishero das beste bei der Sachen thun mussen2); wie aber deme [auch sei]: weil der almechtige unß und unsere geliebte gemahel3) mit funftzehen kindern gnediglich gesegnet, so haben wir disfalß gegen e. 1. noch einen zimblichen Vorzug. Wan sie nuhn solche Anzal auch erreichen4), alsdann wollen wir mit e. 1. wiederumb uffs neu anfahen und sehen, waß letzlichen vorziehen wolle .  .  .  .«

Das mitgetheilte Schriftstück befindet sich als Concept (von Kanzlistenhand) im K. S. Hauptstaatsarchive (Kopial 440, 286), enthält einige Korrekturen des bekannten kurfürstlichen Sekretärs Hans Jenitz und ist sein Inhalt bereits einmal in unliebsamer Weise angedeutet worden5).

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1) Ursprünglich stand hier geschrieben: „gemeiniglich etwas besser alß andere hern staffirt sein.“

2) Dies zielt auf die vielen weiblichen Geburten in Wilhelms IV. Hause.

3) Anna, geb. zu Dänemark, war insgesamt fünfzehn Male Mutter geworden. August’s zweite, kurze Ehe — mit Agnes Hedwig, der etwa dreizehnjährigen Tochter Herzogs Joachim Ernst zu Anhalt — wurde nicht mit Kindern gesegnet.

4) Noch ein Kind, Juliane, geb. am 9. Februar 1581, welches nur zwei Tage lebte, kam in Wilhelms IV. Ehe mit Sabine zur Welt.

6) von Ebeling in seinem gehässig geschriebenen Buche: August von Sachsen (1553—1586) — 1886 S. 99.

 

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