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48 Nachdem in neuerer Zeit eine Durchsicht und Neuordnung des Gymnasialarchivs stattgefunden hat, welches sich als eine Fundgrube werthvollen Materials für die Geschichte der hohen Landesschule erweist, ist Hoffnung vorhanden, dass durch das Zusammenwirken verschiedener Kräfte in nicht zu ferner Zeit die dort verborgenen Schätze gehoben und für die Geschichtswissenschaft verwerthet werden. Auch mir ist es durch Herrn Gymnasialdirektor Dr. Braun, dem ich hierfür auch an dieser Stelle meinen wärmsten Dank abstatte, vergönnt worden, an der Durchsicht des erwähnten Materials theilzunehmen und ich bitte zu einer Zeit, wo Sie, meine Herren, noch nicht durch die besseren Leistungen berufenerer Kräfte verwöhnt worden sind, Ihnen einige Mittheilungen aus der Hanauischen Vorzeit machen zu dürfen, die mir die Einsicht jener Akten während der mir in den letzten Wochen verbliebenen Musestunden an die Hand gegeben hat. Der eigentliche Gründer der hohen Landesschule ist der um Hanau so hochverdiente Graf Philipp Ludwig II., der im Jahre 1607, nachdem das Schulwesen lange darniedergelegen hatte, die bisher in Hanau bestandene Schule sogar zerstreut war, eine höhere Lehranstalt, ein Gymnasium illustre zu begründen beschloss. Indessen kam er selbst nicht über die ersten Anfänge hinaus ; bei seinem frühen, im Jahre 1612 erfolgten Tode war zwar der Platz zum Bau des Schulgebäudes ausgesucht, und verschiedenes Baumaterial auf demselben gelagert, aber der Bau war, kaum begonnen, wieder ins Stocken gerathen. Seine Wittwe, die Vormünderin seines Sohnes und Nachfolgers Philipp Moritz, Catharina Belgica, bemühte sich, die Schule, die bisher nur als ein Gymnasium, in unserem Sinne, als eine Vorbereitungsanstalt für die Universitätsstudien bestanden hatte, zu einem Paedagogium illustre zu erheben, nämlich den Schülern, nachdem sie die Gymnasialklassen durchlaufen hatten, Gelegenheit zu akademischen Studien bei besonderen Facultätsprofessoren derselben Anstalt zu geben. Aber der hoffnungsvolle Anlauf, der unter der Herrschaft Catharinens und später unter der vormundschaftlichen Regierung der Gräfin Christine Sibylla genommen wurde, erlahmte unter den Schrecken und Nachwehen des grossen Krieges. Erst unter dem ersten Grafen der Lichtenberger Linie, Friedrich Casimir, wurde das Schulgebäude im Wesentlichen vollendet und zur Benutzung fertig gestellt. Nunmehr ward „zu dem neuen Anfang der Hohen Schule“ ein neuer Rector und Professor in der Person des 1631 in Basel geborenen Johann Jacob Gantesviler berufen, der damals als Professor der Beredsamkeit und Pädagogiarch an der ähnlichen Anstalt in Herborn wirkte. Er wurde zum Professor der Theologie und Consistorialrath ernannt und blieb 12 Jahre in Hanau, bis er 1678 nach Duisburg berufen wurde. Die von Piderit ausführlich beschriebene Einführungsfeier fand am 21. Februar 1665 in der Marienkirche statt. Von da an existirte und blühte oder kränkelte je nach der Gunst und Ungunst der Zeiten die hohe Landesschule bis zum Jahre 1813, wo sie durch den Grossherzog von Frankfurt mit dem neben ihr bestandenen lutherischen Gymnasium zu einem Gymnasium verschmolzen wurde. —
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