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Monatsversammlungen und Ausflüge.

1) Zu Kassel.

Monatsversammlung am 30. April 1894.

1)  Der Vorsitzende Herr Dr. Brunner gedenkt in warmen Worten des schmerzlichen Hinganges Franz Zwengers, des verdienten Begründers und Herausgebers des „Hessenlandes.“

2)  Derselbe bespricht eine am 30. April in der Casseler Allgemeinen Zeitung gebrachte Notiz, wonach in Cassel eine „Commission“ zur Restaurirung und Schützung des Kreuzes bei Klein-Englis (errichtet zur Erinnerung an den dort ermordeten Herzog Friedrich von Braunschweig) zusammengetreten sein solle. Der anwesende Conservator Herr Dr. Bickel klärt die Angelegenheit dahin auf, dass nicht eine Commission, sondern die Commission für Denkmalspflege im Regierungsbezirk Cassel in ihrer Sitzung vom 2. April d. J. beschlossen habe, das arg mitgenommene Denkmal wieder herzustellen und mit einer Umfriedigung zu versehen.

3)  Herr Rechtsanwalt Dr. Harnier hält Vortrag über „Kriegs- und Friedensbilder aus der westfälischen Zeit“.

Redner legte dem Vortrage*) die von 1810 bis 1814 geführten Tagebücher seines Grossvaters zu Grunde, die abgesehen von ihrem familiengeschichtlichen Werthe manchen kleinen kulturgeschichtlichen Beitrag bieten und für die Westfälische Truppengeschichte, insbesondere für die des ersten Linien-Regimentes schätzbares Material bieten. Die ersten Aufzeichnungen des am 6. Februar 1810 zum Chirurgien-aide-major surnumeraire à la suite du bataillon des Grenadier-Gardes ernannten Eduard Harnier machen uns zunächst mit den dienstlichen Verhältnissen sowie mit dem gesellschaftlichen Leben des damaligen Cassels bekannt; sie führen uns von dort nach Hannover, Hameln und Rinteln, wo das 7. Linien-Regiment, zu dem H. mittlerweile versetzt worden ist, unter den offenbar angenehmsten Verhältnissen wechselnd in Garnison steht. Nach der Rückkehr des Regiments nach Cassel folgen gemüthliche Tage, dann beginnen umfangreiche Rekrutirungsgeschäfte im Leinedepartement, wobei die dort wohnenden Hessen aufgesucht werden und in Göttingen gelegentlich bei Landsmann Wille das „hessische musikalische Kränzchen“ mitgemacht wird. Nach vorübergehendem, durch den Tod des Vaters veranlasstem Aufenthalt in der Heimat, reist H. (11. 3. 1811) nach Bielefeld

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*) Der wörtliche Abdruck befindet sich in der Hessischen Morgenzeitung. Jahrg. 1894, Nr. 164—168.

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