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Anlehnung an diese auf dem Nominalismus Occams beruhenden Ideen stellte Konrad die Nothstandstheorie, dass also das Konzil auch ohne päpstliche Autorität berufen werden könne, auf. Seine Schrift scheint auf den König Eindruck gemacht zu haben. Karl V. wünschte den Zusammentritt und eine Entscheidung eines Generalkonzils; da riss ihn der Tod im September 1380 aus dem Leben. Unter dem gewaltthätigen Regenten Ludwig von Anjou, der Arm in Arm mit Klemens VII. die französische Kirche aussaugen und Italien mit Waffengewalt unterwerfen wollte, fühlte sich die Pariser Hochschule geistig und finanziell schwer bedrückt und empfand ein brennendes Verlangen nach einer allgemeinen Kirchenversammlung. Dieser Stimmung gab Heinrich von Langenstein 1381 Ausdruck in dem Briefe vom Friedonskonzil, der, wie oben angedeutet, zu einem grossen Theile nach Gedanken und Worten auf dem Eintrachtsbriefe Konrads von Gelnhausen beruht. Was er ausserdem enthielt, die Schilderung der allgemeinen, schweren Korruption der Kirche, hatte Konrad nach seinem eigenen Ausspruch absichtlich der Kürze halber nicht gegeben. Einen schnellen Erfolg hat auch dieser zweite Traktat Heinrichs von Langenstein nicht gehabt, aber die Gedanken beider Männer haben fortgewirkt. Die Erinnerung an den Eintrachtsbrief Konrads zeigt sich in Reden und Schriften der Jahre 1395, 1398 und 1409 lebendig, und so hat die Schrift Konrads zu dem in Pisa vorbereiteten, in Konstanz vollendeten Werke der Wiederherstellung der kirchlichen Einheit wesentlich mitgewirkt. Ihr Verfasser, den der berühmte Theologe Gerson einst „gross und fromm“ nannte, verdient als ein charaktervoller Vertreter idealer Anschauungen verehrt zu werden. Die Stadt Gelnhausen kann auf diesen ihren Sohn stolz sein.

 

4) Zu Schmalkalden.

(Verein für Hennebergische Geschichte und Landeskunde).

Vorstand: Apotheker R. Matthias, Vorsitzender, Forstmeister Baustaedt, stellvertr. Vorsitzender, Diaconus Stockhaus, Schriftführer, Rentier E. Chr. Wolf, Cassirer.

Die Sammlungen des Vereins sind in 9 Sälen des Schlosses Wilhelmsburg untergebracht und werden vom Vorstand gern gezeigt (an Wochentagen, nicht Sonntags; auch ist vorherige Anmeldung dringend erwünscht).

Die Bibliothek zählt jetzt mindestens 10000 Bände; sie ist noch nicht ganz geordnet.

Die culturgeschichtliche Sammlung (Kleinigkeiten nicht mitgezählt) umfasst 2306 Nummern.

Das Archiv begreift 2081 Nummern.

Ausflüge fanden statt am 6. Juni 1894 auf den Mommelstein, am 30. Juli 1894 auf den Ruppberg.

Es wurden nachstehende Versammlungen ge- [gehalten]

 

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