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Behauptung; sie muss verschwinden, wenn die Lampertkritik auf gesunde Grundlage gestellt werden soll“.

  Magdeburg.                                                                   Noethe.

 

2.   Aug. Eigenbrodt, Dr. phil. Lampert von Hersfeld und die Wortauslegung. Eine Entgegnung. Leipzig, Gust. Fock. 1896. 33 S.

Das Schriftchen ist ausschliesslich Herrn Professor Holder-Egger gewidmet; es wendet sich gegen die in der Deutschen Litteraturzeitung (1896 S. 688) erschienene Kritik des oben besprochenen Werkes von Eigenbrodt.

Der Verfasser hat hierbei leichtes Spiel. Denn — abgesehen von seinem richtigen Allgemeinurtheil über Lamperts Geschichtswerk — ist er H.-E. an Kenntnis des Lateinischen und sorgfältiger Interpretationskunst ohne Frage überlegen. Das beweist er z. B. auf S. 15—26 durch seine richtige Auffassung und Erklärung der auf Heinrichs IV. Ehescheidungsplan bezüglichen Stelle (L. p. 105, 21): (rex) ibi primum cum opiscopo Mogontino rem secreto agit —. Annuente episcopo — rex ad publicum refert ect., die er folgendermassen übersetzt: „Dort hatte der König mit dem Mainzer Erzbischofe zuerst eine Sonderbesprechung —. Nach Zustimmung des Bischofs — trug er seino Angelegenheit der Versammlung öffentlich vor“, während Holder-Egger ohne Rücksicht auf den Zusammenhang der Stelle (secreto, Gegensatz ad publicum) und ohne Berücksichtigung des Sprachgebrauchs secreto mit „geheim, „im tiefsten Geheimnis" übersetzt. Noch glücklicher ist E. gegenüber H.-E. in seiner richtigen Erklärung des Lampertschen Berichts über Heinrichs Busse zu Canossa. Er verdeutscht da sehr richtig die Worte: nudis podibus ieiunus a mane usque ad vesperam perstabat „fastend vom Morgen bis zum Abend verharrte er da barfüssig“, während H.-E. ohne Kenntnis des Fastenbrauches und ohne Würdigung des perstabat der Lampertstelle folgenden Sinn unterlegt: „Fastend und barfuss stand er da fortwährend vom Morgen bis zum Abend“. Und dass irgend ein Fasten Heinrichs in Canossa stattgefunden hat, schliesst E. sehr scharfsinnig aus den nachfolgenden Thatsachen. Um diese auch in der Form präcise Schlussfolgerung könnte ihn H.-E. „aufrichtig“ beneiden. „Heinrich IV. erstrebte zu Canossa die Wiederaufnahme in die Kirche. Mit dieser Wiederaufnahme war die Feier des heiligen Abendmahls notwendig verbunden. Die Abendmahlsfeier setzte aber damals und setzt in der katholischen Kirche noch heute ieiunium seit Mitternacht voraus.“ So „musste H. auf den Empfang der heiligen Communion vorbereitet, also ieiunus a mane, ja seit Mitternacht gewesen sein.“ Er „musste in jedem Augenblick hoffen, dass ihm Gregor die Wiederaufnahme in die Kirche gewähren und ihn zur Feier des heiligen Abendmahls einladen würde. Somit ist die Thatsächlichkeit irgend eines ieiunium Heinrichs, auch unabhängig von der Notiz Lamperts, für Canossa so gut wie bewiesen.“ Und der Schluss für Lamperts Tendenz? Man wird E. zustimmen müssen, wenn dieser zum Schluss seiner ebenso vorsichtigen wie vortrefflichen Streitschrift ausführt: „Die

 

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