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Nachricht sei an dieser Stelle hierzu mitgetheilt, dass zur Herstellung dieses ersten Bandes der Beschreibung der hessischen Kunstdenkmäler die Landstände 8000 Mark bewilligten, so dass sein Erscheinen gesichert und demnächst zu erwarten ist.

5. Sitzung vom 8. Februar 1899. Herr Privatdocent Dr. Thiele sprach über Fuldaer Miniaturen aus der Karolingerzeit. Er führte des Näheren aus:

Die reichen Handschriftenschätze der Fuldaer Klosterbibliothek waren zum Theil schon während des ganzen Mittelalters in alle Welt zerstreut worden; der letzte ansehnliche Rest verschwand während des dreissigjährigen Krieges auf bisher unaufgeklärte Weise, vermuthlich nach Rom, so dass z. B. Cassel jetzt nur noch etwa 24 Fuldenser Codices besitzt. Neuerdings hat man begonnen, den illustrirten Handschriften nachzuforschen, um einen Ueberblick über die Leistungen der Fuldaer Buchmalerei zu gewinnen. Das bisher bekannte Material liess sich für die Karolingerzeit in drei Gruppen sondern: Illustrationen zeitgemässer und historischer Werke, Illustrationen zu sakralen Werken, Kopien antiker Bilderwerke. Zu der ersten Gruppe gehören Illustrationen zu einem das Leben des Abtes Eigil (819—22) behandelnden Gedicht. Die wenigen leider nur in Kupferstichen des XVII. Jahrhunderts erhaltenen Bilder schildern in lebendiger Darstellung die inneren Wirren im Klosterleben; mit der Behandlung eines derartigen Stoffes durch Illustrationen steht Fulda ganz allein. Gleichsam die zweite Periode der Entwickelung Fuldas repräsentirt das Gedicht des Hrabanus Maurus ,,De laudibus sanctae crucis“, dessen Text zu symbolischen Figuren geformt, das Kreuz Christi in den mannigfaltigsten Beziehungen feiert. Von diesem Werke sind noch 2 Originalexemplare in Wien und im Vatikan; die kostbar ausgeführten Dedikationsbilder, an denen drei Maler von ganz verschiedenem Können in ganz originaler, sonst nicht nachweisbarer Manier arbeiteten, enthalten u. a. ein Bild Ludwigs des Frommen. — Auch bei den historischen Illustrationen zur Sammlung der fränkischen Volksrechte zeichnen sich die Fuldaer durch packende Naturwahrheit der Bewegungsmotive aus. Von eigentlicher sakraler Malerei in Fulda lassen sich bis jetzt wenig Proben aufweisen; die erhaltenen Evangelien und Sakramentarien (wie das Göttinger) zeigen zum Theil den Einfluss des gezierten steifen angelsächsischen Stils. Unentschieden bleibt vorläufig die Wiener Otfridhandschrift, die ihre Illustrationen aus Fulda hat. Reicht, nach dem spärlichen bis jetzt vorliegenden Material, Fulda mit der Ausstattung sakraler Bücher nicht an die Pracht der fränkischen Hof-Renaissance heran, so hat es in dem vortrefflichen Codex der römischen Feldmesser alle anderen karolingischen Schulen in der künstlerischen Auffassung der Antike übertroffen. — Die starke Originalität Fuldas auf dem Gebiete der Malerei ist in seiner freien deutschen

 

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