..

3

Die Rechnung ist geprüft worden, und wurde Entlastung dem Kassirer ertheilt.

Bei Neuwahl des Kasseler Vorstandes wurden die seitherigen Mitglieder wieder gewählt.

Die Versammlung erhob den Antrag des Vorstandes, für Wald eck einen Zweigverein zu gründen, zum Beschluss.

Als Ort der nächsten Jahres-Versammlung wird Karlshafen, von wo eine Einladung ergangen, bestimmt.

Hierauf hält Herr Metropolitan Vilmar den angekündigten Vortrag: „Sitten und Gebräuche im Kreise Schmalkalden“.

Ausgehend davon, „Wer seine Heimath lieben will, der muss sie auch verstehen“, schilderte der Vortragende die Bewohner der Gegend von Schmalkalden in ihren Eigenthümlichkeiten halb thüringisch halb fränkisch mit Licht- und Schatten-Seiten, thätig, gewandt, findig, daneben gutmütig und gefällig, aber auch leichtlebig, verschlagen und streitsüchtig, und sodann die bei den wichtigsten Stationen des Lebens vorkommenden Sitten und Gebräuche, wie Geburt und Taufe, ersten Schulbesuch, Konfirmation, Verlobung, Hochzeit und Tod, endlich die an gewisse Tage und Zeiten im Verlaufe des Jahres sich anschliessenden Uebungen, wie Weihnachten, (das frühere Julfest) Ostern, Nikolaustag u. s. w. und forderte zum Schlusse des Sammelns der Sitten und Gebräuche auf*).

Der Vorsitzende dankte dem Redner für den beifällig aufgenommenen Vortrag und knüpfte daran die Mahnung, dass Angesichts der immer mehr schwindenden schönen Sitten und Gebräuche im Volksleben möge „gerettet werden, was noch zu retten ist“. Nach der Haupt-Versammlung erfolgte eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt, namentlich der im Keller des Landrathsamts aufgedeckten Wand-Zeichnungen, Nachmittags 3 Uhr begann das Festmahl im Saale der Erholung, mit 90 Gedecken, gewürzt durch schöne Tischreden. Der erste Toast Seitens des Herrn Dr.

__________

*) Ausführlich wiedergegeben Hessenland 1899 S. 242 fg.

l*

..