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27 [vorübergehend] gehend, dann folgten Grenzstreitigkeiten zwischen Ghatten und Hermunduren um den Besitz von Salzquellen, wobei schliesslich die Chatten den Landstrich an der Werra bis zur Wasserscheide räumten. In diesem Kampfe sind wahrscheinlich die ersten Vertheidigungswerke: Erdwälle und Gräben angelegt worden. Als nun unter Verdrängung der altheidnischen Götter das Christenthum auch in den hessischen Landen Eingang fand, wuchs eine Reihe von Ansiedelungen empor und die Bevölkerungszahl des Landes stieg. Die Verwaltung des Landes wurde von den fränkischen Königen Grafen übertragen, und nach einer alten Sage soll Pipin der Kleine den Grafen von Reichenbach die Gerichtsbarkeit für die Lichtenauer Gegend übertragen haben. Urkundlich wird Gozmar I. um 1089 zuerst erwähnt. Seine Söhne theilten sich in die Herrschaft. Die Hauptlinie herrschte an der Schwalm, die jüngere dagegen auf dem Reichenbacher Schlosse; das Wappen, ein Hahn mit Ziegenkopf, war gemeinsam. Es entstanden nach und nach hochragende Gebäude und stolze Thürme. Hier fanden in kriegerischen Zeiten die Amtsinsassen rettende Zuflucht, in friedlichen wurde Recht gesprochen und der Uebelthäter auf dem nahen Galgenberge hingerichtet. Das kirchliche Leben wurde gefördert durch Gründung von Klöstern und zwar eines Nonnen-Klosters zu Reichenbach und später eines Mönche-Klosters zu Haina. Während aber letzteres zu hohem Ansehen gelangt ist, wollte ersteres nicht recht gedeihen. Im Anfange des 13. Jahrhunderts kamen die Landgrafen von Thüringen in theilweisen Besitz des Schlosses Reichenbach und verliehen dem Deutschen Orden das Patronat über die Kirche zu Reichenbach (1207). Im alleinigen Besitze der Burg seit 1295 fiel diese mit dem Aussterben des thüringischen Mannesstammes wieder an Hessen und verblieb dessen Fürstenhause in ununterbrochenem Besitze. Heinrich das Kind soll von da aus den Plan gefasst haben, die Stadt „zur lichten Au“ zu gründen. Stadt und Schloss wurden feste Hochsitze in den blutigen Kämpfen der Landgrafen Heinrich II. und Hermann dem Gelehrten. Daneben diente Schloss Reichenbach, leicht von Kassel zu erreichen, als beliebtes Jagdschloss den Landgrafen, die im nahen Riedforste dem edlen Waidwerke oblagen und bei dieser Gelegenheit in zwanglosen Verkehr mit den Unterthanen kamen. Aber es fehlten auch nicht trübe Zeiten. Im Jahre 1350 wurde die Burg dem Deutschen Orden für 1000 Mark Silber verpfändet, und im Jahre 1471 erlitt Landgraf Ludwig II. daselbst ein plötzliches Ende, sodass man glaubte, er sei vergiftet. Seitdem wurde Schloss Reichenbach vernachlässigt, und nur hin und wieder kehrten fürstliche Gäste dort ein. Im Testament Philipps (1562) fehlt der Name der Burg, die hessischen Chronisten Merian und Dilich berichten, dass sie in Abgang gekommen sei. Von dem mächtigen Denkmale der Vergangenheit ist nur noch in sehr beschädigtem Zustande der Bergfried erhalten und es geht seit Jahren ein Nothschrei durch das Land, denselben dem Verderben zu entreissen. Allgemeine Ent- [Enttäuschung]
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