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waren. Kernthurm war der sog. Bergfried, welcher als Warte und zur Deckung die ganze Gegend überragte. Ringmauer mit Graben gewährte ebenfalls Schutz gegen feindliche Angriffe. Der innere Raum hiess Zwinger. Die Mauern pflegten mit Zinnen gekrönt zu sein, von ihnen konnte man die anrückenden Feinde mit Pech (Pechnasen), Steinen, Sand und heissem Wasser überschütten. Besonders stark ist das Thorhaus.

Das Vorgetragene brachte zur Anschauung sehr schön ausgeführte Lichtbilder (über 40 Stück) der hervorragenden Burgen des engeren wie weiteren Vaterandes [Vaterlandes]: Wartburg, Koburg, Hoch-Königsburg im Elsass, Marxburg, Stadtschloss Eger in Böhmen, sodann Felsberg, Heiligenberg, Hanstein, Wallenstein u. s. w., ein grosser Theil derselben sogar in mehreren Darstellungen.

 

8. Ausserordentliche Versammlung 20. Februar 1900
Abends 8 Uhr *)

im grossen Saale des Palais-Restaurant, obere Königsstrasse Nr. 30 auf Veranstaltung des hessischen Geschichts-Vereins in Verbindung mit dem niederhessischen Touristen-Verein.

Der Vorsitzende des Ersteren, Herr Dr. Brunner, sprach zunächst seinen Dank aus dem auf Einladung erschienenen Mitgliede des Ortsausschusses zu Lichtenau, Herrn Postverwalter Siegel, für seine unermüdliche Thätigkeit um die Erhaltung der Reste des Schlosses Reichenbach**) bei Lichtenau und verlieh zugleich der nicht unberechtigten Klage Ausdruck, dass der hessische Communallandtag es verweigert habe, ein Scherflein zur Instandsetzung des noch vorhandenen Thurms zu bewilligen.

Hierauf hielt Herr Siegel den angekündigten Vortrag über Schloss Reichenbach: zur Einleitung redend von den hessischen Burgen überhaupt, welche reich an stolzen Erinnerungen die volle Entfaltung der Romantik der Ritterzeit geschaut, deren Mauern Krieg und Schwerter-Klirren umtobt und deren Hallen einst tapfere Ritter und Frauen belebt hatten, und die meist auf hohen, schwer zugänglichen Berggipfeln angelegt noch in ihren Trümmern ein getreues Spiegelbild heimischer Art darböten.

Einer unbeglaubigten Nachricht, alter Chronisten zu Folge sollen schon an der Stelle des jetzigen Schlosses Reichenbach die Römer Befestigungen angelegt haben, jedoch nur vorüber- [vorübergehend]

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*) Vgl. Casseler Tageblatt vom 23. März 1900 Nr. 81; Casseler Allgem. Zeitung vom 27. März 1900 Nr. 85; Hessische Morgenzeitung vom 24. März 1900 Nr. 82.

**) Vergl. Tourist. Mittheilungen Jahrg. VIII Juni 1900 und Jahrg. IX Juli-August 1900.

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