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29 verschlossen gewesen und erst in unserer Zeit durch das liberale Verhalten der Behörde eröffnet worden und er dadurch im Stande sei, manches Neue, bisher Unbekannte mitzutheilen. Kassel war als Residenz des Königreichs Westphalen für die Rheinbund-Fürsten von besonderer Bedeutung, und Bayern; der grösste Staat im Rheinbunde, durch geschulte Diplomaten und hervorragende Persönlichkeiten an dem Hofe Königs Jerôme vertreten. Der erste dieser Männer war Max von Lerchenfeld, welcher im Jahre 1808 als ausserordentlicher Minister in Kassel beglaubigt wurde. Dieser schilderte in seinen Berichten die Schattenseiten der damaligen Zeit: die ungeheueren Ansprüche des Kaisers Napoleon in Bezug auf Geld-( Kontributionen und Truppenlieferungen, einer Seits und die unablässige Verfolgung und Chikanirung der Anhänger des Kurfürsten von Hessen u. a. seines Agenten Buderus (später v. Carlshausen), welcher in Mainz verhaftet und nach 14tägigem Arrest nur durch Opferung seines ganzen Vermögens — 80000 Thaler — freigelassen wurde, und einer Frau von Thümmel, welch Letztere wegen einer unvorsichtigen Aeusserung des Landes verwiesen wurde. Ebenso wird beklagt, dass im Gegensatze zu der vorhergehenden kurfürstlichen Zeit zu wenig gebaut werde, und daher die Miethpreise bedeutend gestiegen seien. Lerchenfeld bezahlte für ein kleines unmöblirtes Haus an der Wilhelmshöher Allee (das spätere Waitz’sche Grundstück) 2500 Thaler Miethe. Er bat deshalb um Aufbesserung seines Gehalts von 14000 Thalern, da seine laufenden Ausgaben allein 9000 Thaler betrügen, während er in München mit der Hälfte auskomme. Die Finanz-Noth wuchs zum Theil in Folge der hohen Civilliste des Königs und die Zwangs-Anleihe und die Steuer-Erhöhung halfen Nichts. Lerchenfeld reiste schon im Juli 1809 zurück, während der König, der auf seinen Wunsch ein Commando in Sachsen erhalten, ruhmlos gegen den Kaiser von Oesterreich kämpfte, und starb bald darnach (19. Oct. 1809) in den Armen seiner Freundin, Gräfin Therese von Thurn und Taxis. Sein Nachfolger, Wilibald von Rechberg, Bruder des langjährigen Ministers des Aeusseren in Oesterreich, tadelt in seinem ersten Berichte die von Napoleon über die englischen Waaren verhängte Continental-Sperre, da man namentlich in Kassel an deren strenger Durchführung kein Interesse gehabt und den Leuten durch die Finger gesehen habe, und schildert später das rücksichtslose Verfahren des Kaisers gegen seinen Bruder, welcher u. A. am 15. Dec. 1810 ganz zufällig im Moniteur gelesen, dass am 13. Dec. die Abtrennung eines Theiles von Hannover von dem Königreich Westphalen verfügt worden sei, und dann auf deshalbige Anfrage in Paris gar keine Antwort erhalten habe. Derselbe schildert weiter, wie Jerôme von den Dingen der Aussenwelt so gut wie gar nicht unterrichtet, während man von Allem, was an seinem Hofe sich zugetragen, in Paris genau in Kenntniss gesetzt worden sei, da am westphälischen Höfe eine Reihe von Spionen gearbeitet hätten, wie der Polizeichef Bercagny und sein Sekretär.
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