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- 102 - verwirrte Begriffe und Vorstellungen von der Verbesserung des Landeszustandes. Unter anderen beschwerte sich auch bei ihm der Fabrikant Christian Habich 1), ein offener Kopf, mit vieler Vaterlandsliebe und Gemeinsinn, der vom Kurfürsten durch einen Gewaltstreich beleidigt worden war, indem er aus seinem Domizil, der Salpetersiederei2), mit Gewalt war vertrieben worden, obgleich sein Kontrakt noch vier Jahre dauerte. Der Kurfürst behauptete, den Platz zu seinen Bauten nötig zu haben. Habich klagte auch dem Verfasser, daß Herbold sich unnütze Mühe durch die Zusammenberufung der Zunftmeister gemacht habe, indem auf diesem Wege nichts erkleckliches geschehen könne. Der Verfasser gab ihm aber zu verstehen, daß diese Zusammenkünfte allerdings ihr Gutes hätten, indem dadurch der Anfang zur Überreichung von Beschwerden gemacht wäre. Es läge nun an den aufgeklärteren Bürgern, die Zünfte auf einen höheren Standpunkt ihrer Ideen zu erheben, ihnen begreiflich zu machen, daß nur in der Zusammenberufung konstitutioneller Landstände das künftige Heil des Landes zu erwarten wäre. Denn bitte man bloß um Nachlassung der Steuern, so räume man dadurch dem Kurfürsten das Recht ein, Steuern auflegen zu können, und das habe er nicht, das sei Sache der Landstände. Bitte man aber um Zusammenberufung der Landstände, so müßten diese alle Landesbeschwerden untersuchen; dieses müsse der Inbegriff aller Bitten sein. Habich sowohl als Herbold fanden dies ganz in der Ordnung, machten damit auch die Bürger bekannt, und da ersterer ein guter Freund des Prokurators Hahn war, so verfaßte dieser letztere eine Bittschrift oder Adresse an den Kurfürsten, worin die traurige Lage des Landes geschildert und um Zusammenberufung der Landstände und die Zurückkunft der Kurfürstin, die dermalen in Fulda residierte 3), gebeten wurde. Diese Adresse sollte ___________ 1) Besaß Chemikalien- und Farbenfabriken in Kassel und Veckerhagen unter der Firma Georg Ernst Habich’s Söhne. 2) Lag am Wesertor und war 1766 angelegt. 3) Die Kurfürstin hatte wegen des Verhältnisses des Kurfürsten zur Gräfin Reichenbach Kassel verlassen.
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