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- 101 - und so war es ganz natürlich, daß bei dieser ersten Zusammenkunft nichts ausgerichtet werden konnte, ja einige, unter andern die Gildemeister der Kaufmannschaft, die von jeher sehr furchtsam und bedenklich gewesen ist, erklärten, keiner Versammlung mehr beiwohnen zu können, weil kein obrigkeitlicher Deputierter 1) dabei gewesen sei. Dem ohnerachtet wurde eine zweite Versammlung beschlossen, von dieser sollte dem Bürgermeister 2) als Oberzunftmeister Anzeige gemacht und er zu deren Beiwohnung eingeladen werden. Zugleich sollte der Obergerichtsprokurator Hahn3) angenommen werden, um die verschiedenen Beschwerden in einer Bittschrift an den Kurfürsten aufzusetzen. Einige Tage hernach erfolgte diese Zusammenkunft. Alle Zunftmeister, mit Ausnahme der der Kaufmannschaft, erschienen wieder, auch erschien der Bürgermeister, protestierte aber gegen diese Zusammenkunft als gesetzwidrig, jedoch ohne Erfolg. Denn es war schon ein anderer Geist unter diese Gildevorsteher gefahren; man sagte ihm, daß die Lage, die Gewerbslosigkeit aller Zünfte bis zur Verzweiflung gestiegen wäre, und wenn die Obrigkeit nicht helfen wolle, müsse man sich selbst helfen. Alle Gildemeister trugen dem Prokurator Hahn ihre Beschwerden vor, und es wurde eine Bittschrift abgefaßt, die nichts als Zunftbeschwerden enthielt. Als dies im Publiko bekannt wurde, beschwerten sich viele Bürger beim Verfasser, daß dies der rechte Weg nicht wäre, den Landesbeschwerden abzuhelfen; einige meinten, man müsse um Abschaffung der Personalsteuer, andere, um Verminderung der indirekten Steuern bitten, alle hatten aber nur dunkle, _____________ 1) Den Zünften waren Vertreter der Regierung beigeordnet, die diese Bezeichnung führten. 2) Karl August Friedr. Wilh. Christian Schomburg, geb. 11. 10. 1791 in Grebenstein, wurde 1814 Anwalt bei den Ämtern Carlshafen und Trendelburg, 1816 bei der Regierung in Kassel, 1821 erster Assessor beim Landgericht daselbst, 1. 1. 1822 Bürgermeister der Stadt Kassel, später längere Zeit Präsident des kurhessischen Landtags. Er starb 4. 7. 1841 in Mihla b. Eisenach. 3) Er war durch seine Verteidigung des Kabinetssekretärs Müller und des Polizeidirektors v. Manger in der Drohbriefsangelegenheit als Gegner der Regierung bekannt geworden.
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