|
.. |
- 105 - oder des Militärs zu fallen, war es notwendig, daß die Bürger sich, und ihr Eigentum, schützen lernten. Das beste Mittel schien hierzu dem Verfasser die Errichtung einer Bürgergarde. Am anderen Morgen um 6 Uhr nach dem Aufstand 1) ging der Verfasser zum Bürgermeister Schomburg, um wegen Errichtung einer Bürgergarde mit ihm zu reden. Der Kaufmann Jaeckel2) kam auch hinzu, und wir beide bestürmten nun den Bürgermeister, daß er eine Zusammenberufung des Magistrats zwecks Errichtung einer solchen Garde ansagen ließ. Es war dies allerdings eine gefährliche Sache, eine bewaffnete Macht, ohne jede Anfrage höchsten Orts zu tun, zu organisieren; schlug die Sache fehl, so konnte der Bürgermeister und der Magistrat zu harter Verantwortung gezogen werden. Doch war Gefahr im Verzuge und an persönliche Gefahr durfte nicht gedacht werden. Kaum war der Magistrat versammelt, so kam eine Deputation aus der Bürgerschaft und ließ um Gehör bitten. Auch sie verlangte die Errichtung einer Bürgergarde. In Zeit von einer halben Stunde war morgens 9 Uhr an diesem 7. September 1830 der Saal und der Vorgang des altstädter Rathauses 3) voll junger Leute, die auf der Errichtung einer Bürgergarde bestanden. Zu widerstehen war nicht. Die Register wurden eröffnet und in Zeit von zwei Stunden hatten sich 300 Bürger freiwillig eingeschrieben. Der ehemalige Kommandeur des Schützenbataillons, Oberstleutnant Schlemmer4) wurde herbeigerufen und über- [übernahm] __________ 1) Also am 7. September 1830. 2) Wilhelm Jaeckel, Mitbesitzer der Tuchhandlung Herzog und Jaeckel am Schloßplatz. 3) Am Altmarkt gelegen und 1837 abgebrochen. 4) Karl Nikolaus von Schlemmer, geb. 1776, wurde Fähnrich im Regt. Prinz Karl, in dem er 1806 Premierleutnant war; trat im Januar 1808 als solcher in die westfälische Grenadiergarde ein, wurde 29. 6. 1808 Kapitän, 5. 4. 1809 Bekleidungsoffizier darin, dann Mitglied der Montierungskommission, 13. 8. 1809 als solcher Bataillonschef, 9. 11. 1812 Ritter des Kronenordens, 9. 3. 1814 als kurhessischer Kapitän Montierungskommissar, 12. 3. 1814 in diesem Verhältnis charakt. Major und Kommandeur des Schützenbataillons der Stadt Kassel, was er bis zu dessen (niemals angeordneter) Auflösung in der Mitte der 1820 er Jahre blieb, wurde 24. 10. 1830 (Patent 27.10.1830) Oberstleutnant, 15. 7. 1843 pensioniert. Starb 1858.
|
.. |