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gehört habe. Alles ist jetzt ruhig, die größte Wachsamkeit auf umherstreifende Emissäre aber durchaus nothwendig. — Der Funke glimmt nur noch matt und kann durch Hilfe einiger Gensd'armes vielleicht ganz erstickt werden. Noch sind Weiffenbach, Martin, Ehrenfeld, Dörnberg auf freyen Füßen und ihr bestochener Anhang noch nicht besänftigt. Die Insurrektion ist ein Gewebe der Großen, nicht des Volks, das nur als verblendetes Werkzeug benutzt wird, um nicht verdiente Prärogation zu erobern und dann verspottet und verachtet nach Hauß geschickt zu werden. Selbst Englands Geld blendet auch jene Großen und am Ende sucht jeder nur sein Schäfgen ins trockene zu bringen. Die Lehrer der Religion nähren den Mißmuth durch laue oder verdächtige Reden. — Die Beschlüsse der Polizey sind auf dem Lande ohne Nachdruck. Nur wenige Diener des Staats an diesem Ort sind der neuen Ordnung der Dinge ergeben — ihre Verwandschaft unter einander ist wie eine Kette, sie äußern Unzufriedenheit, wo sie es ohne Gefahr können, theilen diese dem gemeinen Man mit, Weiffenbach, dieser Bösewicht, wurde aufs neue angestellt — ich allen diesen Menschen Preiß gegeben. Meine Ermahnungen zu Ruhe und Ordnung wurden mit Mißtrauen gehört, in Beziehung auf Verfassung für französisch erklärt usw. — So lange nicht eine totale Versetzung aller Staatsdiener an diesem Ort mit Ausnahme von Friedensrichter Fenner und Hospitalsprovisor Eckhardt vorgenommen wird, so lange die Gesinnungen der Stiftsdamen den Parometer der öffentlichen Meinung abgeben, die Prediger dem Volke nicht richtige Begriffe, Liebe für König und Vaterland einflößen (denn sie denken nicht alle wie Schirmer in Beisheim, den wir haben müßten,) wird die Stimmung noch lange verschroben bleiben und sich selbst der künftigen Generation mittheilen. Der leidige Müßiggang, Geldmangel, Völlerei, Unthätigkeit gesellen sich mit bösen Zusammenkünften dazu und alles würkt zur Fruchtbarkeit der Laster und reizt zur Unzufriedenheit und Revolte.

Dies ist die Geschichte der Tage vom 22. April bis heute den 10ten May, in denen ich kaum zur Besinnung kommen bin. Ich würde mich unglücklich fühlen, wenn Ew. Hochwohlgeboren hierin nicht manches fänden, was zur Zögerung des Berichts rechtfertigte und mich bey meinen beschränkten Kräften und dem Mangel an Assistanz von der Beschuldigung, die Insurektion in der Geburt erstickt haben zu können, freyspräche.

Ob ich gleich seit 1½ Jahr ohne allen Gehalt arbeite und einen Theil meines geringen Vermögens zugesetzt habe, so soll dies doch nie ein Grund sein, meine wichtigen Pflichten auch nur einen Augenblick zu vernachlässigen.

Indem ich mir daher das gnädige Wohlwollen Ew. Hochwohlgeboren aufs neue und unterthänig gehorsamst erbitte, habe ich die Ehre, mit unbegrenzter Hochachtung und Ehrerbietung zu beharren.

Ew. Hochwohlgeboren

Homberg                                 unterthänig gehorsamster

d. 10ten May 1809. Rodemann.

In diesem Augenblick rückt wieder Einquartierung ein — die Administrativen Geschäfte ruhen.

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