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- 141 - sorgen, daß das Te Deun zweckmäßig gefeyert1) und besonders die guten Eigenschaften und Wohlthaten des Königs den Unterthanen ans Herz gelegt und Liebe gegen ihn erweckt werde. Zu gleich mußte ich als Zeuge bei Aufnahme einer Civil-Acte zugegen sein. Am 9ten erhielt ich den schmerzlichen Verweiß von Ew. Hochwohlgeb. — Gott, dies that mir wehe! aber ich unter werfe mich willig dem Ausspruch, welcher von einem guten, liebevollen Vater ausgehet. Ich unterwerfe mich dem Urtheil jedes Unbefangenen, der mich in den letzten 14 Tagen handeln sähe. Mein Gewissen klagt mich bei der Verwaltung von Sieben Tausend Seelen keiner Zeitverschwendung an, dies tröstet mich. An mir rieb sich alles, meine Adjunkten blieben unsichtbar, theils war die Angst ihres Herzens zu groß, theils drückte sie Altersschwäche — Eine Hand hält einen Gang, sagt das Sprichwort; das traf ganz bey mir ein. Denn ich war und bin ohne die mindeste Assistanz. Nach beendigtem Gottesdienst lies ich die Proclamation, welche die Strafen der Insurgentenchefs enthält, an alle Thore heften. Gegen Abend kamen 2 Gensd'armes von Cassel in der Absicht, den (sonst guten) Förster Kleyensteuber, Hamel und Bürger Schade zu verhaften. Sie brachten zuerst die Nachricht von dem Einfall des Räuberhauptmanns Schill in die Gegend von Bielefeld mit — diese Nachricht erhizte wieder manche Köpfe und in einem Augen blick wuchs die Zahl seiner Streiter von 5 zu 30000 an und er regte allerhand neue,Besorgnisse bey den Guten, Hoffnung aber bei den Schlechtdenkenden. Am 10ten des Morgens beim Öffnen des Holzhäuser Thores fand sich der in Original hier vorliegende Zettel von außen angeklebt. . „Die Niederträchtige Frantzosen und auch die Frantzösische Spitzbuben in unserm Lande sollen doch noch untergehn sonst müßte kein Gott mehr seyn, Die Königen hat gesagt die Hesischen Hunde wollen sich gar nicht geben sie sollen ihr aber noch angestrichen werden. B.“ Ein Beweiß, daß noch Schurken, die noch nicht vom Insurrek-tionsfieber geheilt sind, in unserer Gegend hausen. Dem Herrn Generalkommissär von Wolff habe ich die Notwendigkeit gezeigt, eine Brigade2) Gensdarmerie hierher zu legen, eines Theils, um dieses böse Gesindel im Zaum zu halten, anderntheils, den Verfügungen der Polizey, welche auf dem Lande in Wahrheit in Ohnmacht liegt und die muthwilligen Buben keck macht, mehr Nachdruck geben, und ich erlaube mir auch an Ew. Hochwohlgeboren diese sehr dringende Bitte zu bringen. Um 10 Uhr hinterbrachte man mir, in Felsberg und Fritzlar seye die Bürgerschaft zur Vertheidigung gegen Schill und alle Aufwiegler unter dem Glockenschlag aufgefordert worden; Sie sollten zu dem Ende vor Cassel mit Waffen aller Art versehen werden. Ich ließ den Neuigkeitsbringer, Tuchmacher Justus Francke, vorfordern und er bestätigte auch mir seine Aussage, die er von seinem Schwager aus Felsberg __________ 1) Zur Feier der französischen Siege bei Eggmühl und Regensburg. 2) 5 Mann. |
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