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- 140 - diesen Vorgang Sr. Exzellenz dem Kriegs-Minister berichten“ (das auch geschehen ist). Sofort traf ich Anstalten, meine Familie zusammen zu trängen und mein Hauß dem Militär hinzugeben. In diesem Augenblick wurde Sturm getrommelt — die Soldaten eilten herbey, und wie ein Lauffeuer erneuerte sich das Gerücht, es solle geplündert werden. — Obgleich auf alles gefaßt, war doch mein Zustand und der meiner guten Bürger schrecklich. Plötzlich trat d. Hr. Commandant in meine Stube, war freundlich und gab Befehl, die Leute in ihre alten Quartiere zu schicken. Dies war das Zeichen zur allgemeinen Freude (aber die Versuchung mir unerklärbar). Bürger führten (gewiß ein schöner Zug) Soldaten Hand in Hand in ihre alten Wohnungen und diese herzten jene. Alles war nun ruhig und, soviel es die Umstände zuliesen, zufrieden; doch verscheuchte die Besorgniß vor ähnlichen Auftritten nicht alle Angst. Dem Herrn Commandanten hatte ich vorhin schon vorgeschlagen, eine Companie auf die Dörfer zu legen; dies wurde jetzt zugestanden und die Befehle an die Gemeinden Cassdorff, Mühlhausen und Mardorff erlassen. Wir richteten hierauf eine ganz neue Einquartierung mit Ausschluß aller ärmeren Einwohner ein. Auf einmal (am 5. May) änderte sich diese Ordre, indem eine Estaffette die Nachricht vom Abmarsch der Truppen brachte — dies war Abends 10 Uhr. Sofort mußte ich reitende Botten nach Treysa, Ziegenhain, Neukirchen und Hersfeld beordern, diese kamen in der Nacht um 3 Uhr hier an und wurden abgefertigt. Den 6ten wurden die Kranken nach Cassel abgeführt und Einrichtungen zum Abmarsch getroffen. Zugleich kam der Hr. General-Secretair Kramer bey der geistlichen Gütherverwaltung und sequestrirte das Stiftsvermögen. Bei Aufstellung des Inventarii, welches erst gestern Abend, von dem, was nicht unter Siegel liegt, beendigt worden, war meine Gegenwart nothwendig. Am 7ten des Morgens 4 Uhr kam eine andere Ordre an den Commandanten, nach welcher der Marsch der Truppen eine andere Direction bekam. Auf der Stelle mußte ich Staffetten expediren, um die auf dem Marsch begriffenen Truppen davon zu benachrichtigen. Vom Hrn. Obrist von Würden1) lief ein Schreiben ein, die Effekten der 4 abtrünnig gewordenen Offiziers2) einzuziehen. Um 7 Uhr marschierte der Hr. Commandant Moers, mit Zurücklassung eines Zeugnisses der besten Ruhe und Ordnung in dieser Stadt, nach Spangenberg ab. Die übrige Zeit des Tages wurde mit Aufstellung des Inventarii fortgefahren, auch begab ich mich zu dem Pfarrer Knyrim und bath, dafür zu __________ 1) Philipp Heinrich Friedrich von Würthen, geb. 8. Juli 1764 zu Berlin, war 1806 Kapitän im hessischen Leibdragonerregt., 1809 Major im westfälischen 1. Kürassierregt., suchte den Obersten v. Marschall zum Vorgehen gegen die abtrünnigen Schwadronen zu veranlassen und wurde dafür zum Obersten befördert. Wurde im Oktober 1813 westfälischer Brigadegeneral, in Hessen aber nur als Oberstleutnant wieder angestellt und 1817 zum Rentmeister in Marburg ernannt, wo er 13. November 1853 als pensionierter Oberrentmeister starb. 2) Wolff v. Gudenberg, v. Weissen, v. Schenck und v. Girsewald. |
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