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- 139 - eine Menge anderer Dinge. Dazwischen stimmten die Bürger klägliche Lieder über Mangel an Lebensmitteln an, täglich wechselten an die 30 Soldaten die Quartiere und liefen wieder in die alten, wenn sie nichts als allenthalben die bitterste Armuth erblickten, hierzu kam ein Paquet Zahlungsmandate für Pensionnärs, welche auch lange gedarbt hatten, reitende und gehende Botten wurden täglich nach allen Richtungen ausgesand, kurz man lies mich nicht zur Besinnung kommen. Ich berufe mich auf das Zeugniß meiner Nachbarn, uud wenn es nöthig ist, der ganzen Stadt. Plötzlich gerieth der Herr Commandant auf den Einfall, oder hatte Ordre erhalten, nicht weniger als 4 Mann in ein Haus zu legen. Ich begab mich mit einer Deputation des Munizipalraths zu ihm und stellte die Unmöglichkeit vor, diese Maasregel auszuführen, weil 1tens die meisten Einwohner in diesem Hungervierteljahr kaum für sich kümmerlich zu leben hätten, eine Umquartierung bei der Menge schon ausgestoßener Quartiere unmöglich seye und dann auch eine Last, gehörig vertheilt, leichter als auf einen Punkt concentriert getragen werden könne. Der hübsche Anstrich einiger Häuser wäre nicht der Maasstab von Wohlstand, in den meisten seye Jammer und Elend zu Hauß. Allein er ging nicht davon ab, weil er so zu verfahren Ordre habe. Nun gaben wir zwar, um unsere Bereitwilligkeit zu zeigen, nach, bathen aber d. Hrn. Commandanten, er möchte uns die nachtheiligen Folgen nicht empfinden lassen, wenn der Erfolg seinen Erwartungen nicht entspreche. Die Herren Officiers (alle sehr bescheidene Leute bis auf jenen Adj. Major) suchten sich in Begleitung eines Mitglieds des Municipalraths selbst die besten Quartiere in der ganzen Stadt aus, und hiernach wurden nun die Billets verfertigt und anderen Tags ausgetheilt. Kaum war dies geschehen, so bestürmten mich die Soldaten und verlangten auf der Stelle wieder andere Quartiere, weil ihre Wirthe Nichts für sich, geschweige denn für 4 Gäste zu essen hätten. Ich bezog mich auf die Ordre d. Hrn. Commandanten und daß ich ohne diese Nichts abändern werde. Erbost hierüber gingen sie unter Fluchen und Toben fort, um die Bürger zu mißhandeln — nun kamen auch diese mit Jammergeschrei und flehten um Erbarmen — mir blutete das Herz, aber auch ihnen konte ich nicht helfen. Jezt trat der Adj. Major vor mein Hauß und hezte die Soldaten gegen die Bürger noch mehr auf, indem er sagte: „schmeißt alles zum Fenster hinaus, wenn euch nicht tüchtig aufgetischt wird!“ Ich bat um Schonung, weil ja keiner ein Gott sey, unmögliche Dinge möglich zu machen und das Militär wohl in den lezten Tagen mit dem guten Willen der Einwohner zufrieden gewesen wäre, überdies hätten sich ja die Officiers die Quartiere selbst ausgesucht. „Nun, dann will ich selbst einquartieren und Sie selbst der Erste sein, der 12 Mann bekommt“, war die Antwort. Dies trang bis in innerste meiner Seele, daher ich erwiderte: „Wenn Sie, mein Herr, auf den völligen Ruin ausgehen, so bin ich nicht mehr im Stande, Sr._ Majestät dem König Unterthanen zu erhalten, welche die herrschaftlichen Abgaben entrichten können, und mir wird es unter solchen Umständen unmöglich, meinem König diejenigen Dienste zu leisten, die mein Amt mit sich bringt; ich werde auf der Stelle |
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