vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite
 
 

..

— 45 —

 

3. Der dritte Ausflug, der die Vereinsmitglieder am 7. September 1910 zur Burg Reichenbach hinaufführen sollte, war leider vom Wetter nicht begünstigt. Die von Lichtenau zur Burg hinaufführenden Wege waren vom Regen ungangbar gemacht, so daß die sehr zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste mit ihren Damen, denen sich die Lichtenauer Mitglieder mit ihren Damen, sowie Herren aus Witzenhausen und Heiligenstadt anschlössen, zum Verbleiben in dem mit dem Mittagszuge erreichten Lichtenau entschließen mußten. Nach eingenommenem Kaffee besichtigte man unter Führung der Herren Apotheker Nickel, Bürgermeister Peter und Metropolitan Schuchardt die Sehenswürdigkeiten der Stadt, namentlich das alte Amtshaus, den vormals Meysenbugschen Gutshof mit altem Wappen, mehrere Befestigungstürme, den Feigebrunnen, die Kirche und das Rathaus, in dem eine kleine, aber wertvolle Altertümersammlung das Interesse der Mitglieder erregte. Neben alten Urkunden (darunter ein Schutzbrief Oktavio Piccolominis) fanden sich hier Waffen der Bürgergarde, Zunftbecher, Zunftladen, die alte Stadtfahne u. s. w. Herr Postsekretär Siegel sprach hierauf im Saale des „Grünen Baumsu über die Geschichte der Burg Reichenbach, die auf einem Ausläufer des Riedforstes, der vermutlich schon den Chatten als Stützpunkt in ihren Kämpfen gegen die Hermunduren diente, wohl zur Zeit der Einführung des Christentums in Hessen als Sitz eines Grafengeschlechtes gegründet wurde. Ein Zweig dieses Geschlechts waren die Grafen von Ziegenhain. Im 13. Jahrhundert fiel die Burg, deren Kirche 1207 dem deutschen Ritterorden überwiesen wurde, an die Landgrafen von Thüringen. 1249 eroberte sie Sophie von Brabant für ihren Sohn Heinrich, das Kind von Hessen. Landgraf Ludwig II. starb 1470 auf dem von den Landgrafen oft besuchten Schlosse. Seitdem begann die Burg zu veröden. Anfangs des 16. Jahrhunderts siedelten die Beamten, die noch auf der Burg ihren Sitz hatten, nach Lichtenau über. Die Burgtrümmer dienten den benachbarten Orten als Steinbruch und 1820 stürzte der letzte Turm zusammen, der neuerdings mit Beihilfe

..

 
 
vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite