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— 63 — Hausrat, Ölkrüge, Flachsschläger, Kesselhaken, eine mächtige Stallaterne vertreten. Der übrige Teil des Nachmittags war Neustadt und der Nellenburg ge widmet. Amtsrichter Siebert hatte die Güte, sich an der Führung zu beteiligen. Man erfreute sich des Amtsgerichts, das in dieselbe Zeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts zurückreicht wie der mächtige Junker Hansenturm, der das Stadtbild von Neustadt so ziert, die Schöpfung eines gewaltigen hessischen Ministers Hans von Dörnberg , des „heimlichen Landgrafen“. Er, der in jahrzehntelanger Amtsführung sich so manche Feinde gemacht hatte, wußte am Ende sich rechtzeitig in die Reichsstadt Friedberg zurückzuziehen. Dort ist er 1505, fünf Jahre nach seiner Abdankung, gestorben. Der ungefähr fünfzig Meter hohe Turm ist ein Sinnbild seiner starken Persönlichkeit. Man staunte über das gewaltige Holzwerk im Innern und wünschte, daß die Regierung die Mittel zur Erhaltung der re paraturbedürftigen Teile nicht zu knapp bemessen möge. Weiter wurde das Haus der Familie Nordeck von Rabenau mit manchen schönen alten Möbelstücken besichtigt, der hübsche Erker des Schenk zu Schweinsbergschen Hauses aus dem 16. Jahrhundert, ferner die Johanniskirche aus dem Jahre 1503, eine spätgotische Hallenkirche mit nur einem schmalen Seitenschiff (Archivar Rosenfeld gab kunsthistorische Erläute rungen), außen am Chor der Grabstein des Ehepaares von Fischbach (gestorben 1446 und 1448), das zu beiden Seiten des Gekreuzigten kniet; die schöne Arbeit ist wohl erst Ende des 15. Jahrhunderts ent standen. An der Nordseite des Chores außen erinnern drei große eingemauerte steinerne Kugeln an die Be lagerung der Stadt durch Landgraf Heinrich III. im Jahre 1462. — Mit dem Ausblick auf eine Kette schöner Waldberge zur Linken stieg man endlich h inauf zu der Anhöhe, die im 15. und 16. Jahrhundert von der Nellenburg gekrönt war. Vielleicht existierte diese mainzische Grenzfeste schon im 14. Jahrhundert, aber urkundlich zuerst erwähnt wird sie im Jahre 1424. Auf der waldigen Kuppe gelagert, vielleicht an der E infassung eines einstigen Wohnturmes, empfing man
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