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Homberg/Efze

Nach dem „Thurmmann" und dem „Stadtmusicus" auf St. Marien nun ein „Türmer h.c."

Über 522 Jahre - sofern die Quellen zuverlässig - verrichteten auf dem Turm St. Marien, heute evangelische Stadtkirche, „Thurmmänner" und „Stadtmusici" tags und nachts ihre Wächterdienste, um mit ihrem Feuerhorn vor Feuer oder Feind zu warnen entweder oder um mit dem „Morgen- und Mittagblasen" erbaulicher Lieder die Bürgerinnen und Bürger der Stadt durch den Tag zu begleiten. Waren die Wächter zunächst nur in einer Stube des obersten Stockwerkes des Kirchturmes untergebracht, so bezogen sie seit 1704 nach der im Jahre 1664 vollendeten Wiedererrichtung des Turmes, den die „Kaiserlichen" 24 Jahre zuvor im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges zum Einsturz gebracht hatten, eine Türmerwohnung - Flur, Küche, Wohn- und Schlafzimmer -, um ihren verantwortungsreichen Dienst in über 50 m Höhe zu versehen. Der letzte „Turm- und Stadtmusicus" verließ im Jahre 1837 nach 39jähriger Dienstzeit zusammen mit Frau und Tochter seinen luftigen Arbeitsplatz. In den folgenden Jahren nahm nur noch des Nachts ein Turmwächter den Wächterdienst wahr. Dem letzten seiner Zunft, Christian Siemon, sprachen Stadtrat und Bürgerausschuss, als jener um eine Aufbesserung seines Gehaltes von 62 Pfennig je Nacht nachsuchte, zum Ende des Jahres 1896 (!) die Kündigung aus, sodass der Turm über 100 Jahre „verwaist" blieb, sieht man einmal von gelegentlichen Besuchen einiger weniger Interessierter - unter ihnen der Verfasser dieses Beitrages - ab. Erst im vergangenen Sommer erinnerte sich der Magistrat der Stadt Homberg der alten Türmertradition; sie sollte wiederaufleben, nicht um vor Feind und Feuer zu warnen, sondern um bei besonderen Anlässen der malerischen Fachwerkstadt am Fuße des Schloßberges weiteren Glanz zu verleihen. Das Amt versieht seit Sommer 2001 Friedrich Dreyzta (ZV Homberg/Efze) - sozusagen als „Türmer h.c."! Über sein „Gehalt" ist nichts bekannt.

- db -

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