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AUFSÄTZE

 

Ursprünge und Anfänge der Alma Mater

Philippina zu Marburg

Im Jahre 2002 feierte die Philipps-Universität Marburg in verschiedenen Veranstaltungen die 475. Wiederkehr der Gründung durch Landgraf Philipp den Großmütigen im Jahre 1527. Geeigneter Anlass, an das Entstehen und Werden dieser Alma Mater zu erinnern, ihre Wegbereiter und einige Grundlinien ihrer frühen Entwicklung aufzuzeigen, zumal auch im kommenden Jahre 2004 des 500. Geburtstags ihres Stifters zu gedenken ist.

 

Die erste evangelische Universität

Martin Luthers Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg hatten fast zehn Jahre vor der Gründung der Alma Mater Philippina die Veränderungen in der abendländischen Kirche eingeleitet und der Reformation den Weg geebnet. Die Sicherung der Reformation und ihre Verankerung als evangelische Bewegung in der Bevölkerung mussten konsequenter Weise auch Veränderungen im Bildungssektor, also den Schulen und Universitäten, nach sich ziehen. Hatten sich hessische Landgrafen schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts immer wieder um die Reformierung der Klöster und des allgemeinen sittlich-religiösen Lebens gesorgt, so zeigt sich darin ihr Streben nach Ausweitung ihrer Landeshoheit von der politischen auch auf die religiöse Ebene. Hier sind die Gründe zu suchen, die Landgraf Philipp bewegen, diesen für die damalige Zeit Aufsehen erregenden Schritt zu wagen und die erste evangelische Universität im alten Deutschen Reich zu gründen. Damit ist ein tiefer Einschnitt in der bisherigen Universitätsgeschichte zu konstatieren; denn fast 180 Jahre zuvor hatte Kaiser Karl IV. die erste Gründung einer Universität im alten Deutschen Reich in Prag 1348 vollzogen. Die frühen Universitätsgründungen wurden also von Kaiser und/oder Papst privilegiert. Wurden später auch Universitäten von Städten, Kurfürsten oder auch Grafen wie 1477 in Tübingen oder 1502 in Wittenberg bzw. 1506 in Frankfurt a.d.O.

 

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