Marburger Schloß-Ogel (Althefer-Positiv)
Die Ergebnisse der drei Untersuchungen förderten bemerkenswerte Ergebnisse über die zweitälteste Orgel zutage. Kilian Gottwald und Claudia Heidel (Amöneburg-Marburg) stellten in ihrer orgeltechnischen Bestandsaufnahme fest, dass vor allem der Erhaltungszustand der Pfeifen zu großen Hoffnungen Anlass gebe. Hingegen ergab eine genaue Inspektion der Windlade, zu der auch die Mediziner der örtlichen Philipps-Universität Hilfsdienste leisteten, dass hier größere Schäden durch Wasser verursacht worden waren. In einem zweiten Gutachten bestätigte der Kölner Dipl.-Restaurator Karl Heinz Kreuzberg dem Prospekt der Orgel sowie allen weiteren Holzbestanden eine außergewöhnliche Qualität und einen kaum davon abfallenden Erhaltungszustand. In einem dritten Gutachten unternahm Elmar Altwasser (IBD Marburg) den Versuch einer kunsthistorischen Einordnung. Außerdem legte er aufgrund einer dendrochronologischen Untersuchung ein Rahmenprofil für den Entstehungszeitraum der zuerst in Wetter und ab dem späten 18. Jahrhundert in Friedlos (bei Bad Hersfeld) gespielten Orgel vor.
Während man sich auf dem Orgelkolloquium noch unschlüssig über eine eventuelle Restaurierung war, könnten weitere Untersuchungsfortschritte die Überlegungen in eine neue, erfolgversprechendere Phase leiten. Weitere Forschungen Kilian Gottwalds an der Orgel in Kroppenstedt (bei Halberstadt) brachten nämlich größere Übereinstimmungen im Pfeifenwerk zutage. Sie reichen über die wahrscheinlich gemeinsame Herstellerwerkstatt bis zu Einzelheiten wie den Baudetails über die Seitenbärte, Fußlöcher bis hin zu den Besonderheiten in den Tonanschrieben. Da die Kroppenstädter Orgel nachweislich von dem aus Dänemark stammenden, aber vornehmlich in Norddeutschland wirkenden Orgelbauer Esaias Compenius (ca. 1560-1617) angefertigt wurde, konnte Kilian Gottwald für die Marburger Schlossorgel nun bei einem Vortrag vor dem Marburger Verein folgenden Schluss ziehen: Wenn die vier Register der Kroppenstädter Orgel entweder Compenius oder einem Mitglied seiner Werkstatt zugeordnet werden können, so sei dies auch „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bei den Metallpfeifen der Schlossorgel der Fall“.
Dieses höchst bemerkenswerte neue Untersuchungsergebnis erhöht die Bedeutung der überlieferten Pfeifen der Marburger Schlossorgel noch einmal ganz nachdrücklich. Da die Orgeln des Compenius bzw. seiner Werkstatt eindeutig zu den Spitzenerzeugnissen ihrer Art auf europäischer Ebene zählen, darf die Marburger Schlossorgel nun ebenfalls in die-sen Zusammenhang eingeordnet werden.
Mit diesem Ergebnis der neuesten Untersuchungen Gottwalds, die ältere Hypothesen des Orgelbauers Mads Kjersgaard (Uppsala) verifizieren, entsteht natürlich die Frage nach dem authentischen Klang der Pfeifen. Sie haben bislang innerhalb der schon als Möbel
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