Der figürliche Schmuck des Monuments könnte sich allerdings ebenso auf dem Grabmal eines katholischen Landgrafen fin-den. Die Darstellung der Tugenden auf Grabdenkmälern war in der Renaissance auch im nordalpinen Bereich wieder üblich geworden. Sie dienten als „Charakterzeugen“ und hoben die Tugenden der Verstorbenen hervor. Die Darstellung der Auferstehung wird ebenfalls auf Grabmälern beider Konfessionen immer wieder gewählt.

Das Grabdenkmal befindet sich heute nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Es befand sich früher an einer sehr prominenten Stelle im Chorscheitel.

Vorkriegsfotos und Beschreibungen des Monuments vor der Umsetzung machen deutlich, dass das Monument durch seinen ursprünglichen Aufstellungsort den Innenraum der Kirche beherrschte. Der Blick fiel nach dem Betreten der Kirche sofort auf das Monument im Altarraum, so dass die Assoziation mit einem Hochaltar nahelag. Die Figuren von Philipp und Christina wurden genau dort platziert, wo bei einem Hochaltar die Heiligenfiguren erwartet werden. Dabei ist der Landgraf in seiner Rüstung eine eher weltliche Erscheinung. Landesherren wie Philipp ließen sich auf Grabmälern meist in Rüstungen darstellen, denn diese verdeutlichen die Zugehörigkeit zum Fürstenstand. Philipp und seine Frau sollten hier allerdings nicht als Heilige verehrt werden. Vielmehr dürfte das Herrscherpaar und vor allem Philipp als eine Art „Patron“ der neu geschaffenen Landeskirche angesehen worden sein, wofür das landesherrliche Kirchenregiment den Hintergrund bildete. Er und Christina blieben so stets in Effigies präsent und nah-men mit Blickrichtung auf den Altar an den Gottesdiensten teil.

Das enorm aufwendige Monument, das sich bewusst von den vorhergehenden Grabmälern, sowohl in seiner neuen Form, seinen Ausmaßen und auch durch den gewagten Standort absetzt, war der Prototyp für eine neue Gruppe von Grabdenkmälern reformierter Landesfürsten und wurde als solches auch angesehen und kopiert. Verpflichtet sind ihm z. B. die Grabmäler von Philipps Söhnen in Marburg und Darmstadt. Aber auch das zeitlich etwas spätere und noch größere Grabdenkmal des Bischofs Dietrich von Fürstenberg in Paderborn von 1616 ist vermutlich als Antwort der Gegenreformation auf das Kasseler Monument zu verstehen.

Das Kasseler Grabmal ist mit seiner neuartigen Form und seiner enormen Größe eines der wichtigsten Grabmäler der Spätrenaissance in Norddeutschland. Es diente als beispielgebendes Monument für die Grablege in der Martinskirche und war dabei nicht nur das Grabmal für Philipp den Großmütigen und seine erste Frau, sondern auch ein Staatsmonument. Religiöse Aspekte traten ab nun in den Hintergrund, die Repräsentation des Standes und der Dynastie wurden zum Hauptziel.

Marion Jäckel M.A. (Schrecksbach)

Aus Stadt und Land

Neues zur Marburger Schloßorgel

Seit der Marburger Bezirkskonservator Ludwig Bickell im späten 19. Jahrhundert systematisch „Antiquitäten“, wie er sich auszudrücken pflegte, vor dem Untergang bewahrte, bilden die Sammlungen des Marburger Vereins für Geschichte und Landeskunde eine wertvolle kulturhistorische Quelle. Eines der wertvollsten Objekte von Bickells Sammlungsinteresse, eine Orgel aus dem Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert, steht deswegen inzwischen in einem verstärkten Interesse. Auf einem 2. Kolloquium, das der Verein im Januar 2004 im Staatsarchiv Marburg abhielt, wurden drei größere Untersuchungen über die Orgel vorgelegt