In der Kasseler Martinskirche befindet sich noch heute das großformatige Grabmonument für Philipp den Großmütigen und seiner Frau Christina von Sachsen. Es wurde von Philipps ältestem Sohn Wilhelm IV. in Auftrag gegeben, bald nach Philipps Tod im Jahre 1567 begonnen und vermutlich im Jahre 1572 vollendet. Geschaffen wurde es von Elias Godefroy und seinem Schüler Adam Liquier. Diese beiden niederländischen Künstler waren die Leiter der Kasseler Hofbildhauerwerkstatt. Sie zeichneten auch noch für andere hochwertige Kunstwerke verantwortlich, wie z.B. das Alabastergemach im ehemaligen Kasseler Landgrafenschloß, von dem heute nur noch die Relieftafeln im Hessischen Landesmuseum erhalten geblieben sind. Über beide Künstler ist nur wenig bekannt, ihre Namen sind jedoch auf einer Inschriftentafel am Grabmal überliefert. Philipp lernte die niederländische Kunst während seiner Gefangenschaft in Mecheln in Flandern kennen. Der Stil der niederländischen Künstler wurde damals allgemein, insbesondere bei Bildhauern, in erheblichem Maße durch die Druckgraphik beeinflußt. Hierbei macht das Kasseler Grabmal keine Ausnahme, für das sich der Einfluss von Künstlern wie Cornelis Floris und Hans Vredeman de Vries nachweisen ließ.
Das Grabdenkmal besteht aus zwei Teilen: dem großformatigen Grabmal und einer davor im Boden eingelassenen Grabplatte. Das (Wand-)Grabmal ist ca. 11m hoch und 5,50 m breit. Es besteht aus verschiedenfarbigen Materialien: die architektonischen Elemente wurden bis auf wenige Ausnahmen aus dunklem Marmor, die Reliefs, Figuren, Wappen und anderen Ornamente aus hellgelbem Alabaster gearbeitet. Stellenweise fin-den sich noch Reste von farbiger Fassung und von Vergoldungen.
Das Grabmal lässt zwei Geschosse erkennen. Das untere Geschoß mit dorischer und das obere mit korinthischer Säulenordnung ergeben zusammen ein Triumphbogenmotiv. Im unteren Geschoß wird in der Sarkophagnische die Auferstehung von den Toten in drei Reliefs thematisiert: im Mittelteil ist hinter dem Sarkophag die Szene der Auferstehung Christi zu sehen, flankiert wird sie auf den Schmalseiten von der Auferwekkung des Lazarus links und der Auferwekkung der Tochter des Hauptmanns Jairus rechts. Zu beiden Seiten der Sarkophagnische stehen in kleineren Rundbogennischen die Verstorbenen in Lebensgröße, Philipp der Großmütige heraldisch rechts, Christina von Sachsen heraldisch links. In den Feldern über den Figuren sind Szenen aus dem Alten Testament dargestellt, links die Geschichte von Simson und rechts eine Szene, die bis heute noch nicht befriedigend gedeutet werden konnte.
Ferner finden sich auf dem Grabmal allegorische Darstellungen der Kardinaltugenden, Prudentia (Klugheit) und Temperantia (Mäßigung) über dem Rundbogen, Justitia (Gerechtigkeit) und Fortitudo (Stärke) lagern auf den Schrägen des Giebels. Bekrönt wird das Grabmal von einem großen hessischen Landeswappen und dieses wiederum von einer Personifikation des Todes.
Philipp hinterließ in seinem Testament nur spärliche Anweisungen für die Gestaltung seines Grabmals. Ausdrücklich wünschte er sich darin lediglich einen Grabstein und ein Epitaph. Auffällig ist die Verlegung der Grablege nach Kassel, wo doch bis dato Philipps Vorfahren im Südchor der Elisabethkirche ihre Ruhe fanden. Man vollzog bei dem Grabmonument nicht nur einen radikalen Bruch mit der alten Tumbenform, sondern wollte mit seiner Monumentalität auch die Grabdenkmäler der Ahnen übertreffen. Des weiteren nahm Philipp bzw. sein Sohn Wilhelm mit der Wahl der neuen Grablege von der Heiligen- und Reliquienverehrung ihrer Vorfahrin, der Heiligen Elisabeth, Abstand.
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