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Die „Geburtsurkunde“ des Landes Hessens vom
19.9.1945. Abbildung: Hedwig.
etwa 7. April 1945 übernahmen dabei
die Amerikaner. Erst nach Kriegsende
offenbarte sich das volle Ausmaß der
Katastrophe, auch in Hessen. Unzählige
Menschen, Zivilisten und Soldaten,
Deutsche wie Ausländer waren Krieg
und Nationalsozialismus zum Opfer
gefallen, die Versorgung der Bevölkerung
zusammengebrochen und die Städte
Trümmerwüsten – Darmstadt, Frankfurt,
Offenbach, Hanau, Kassel waren zu
drei Vierteln zerstört. Die Zivilbevölkerung
suchte
Obdach, litt Hunger und hatte
wenige Hoffnung, dass sich
die Lage absehbar bessern
könnte; im Gegenteil
verschärfte sie sich noch
einmal durch die Aufnahme
Hunderttausender Flüchtlinge
und Vertriebene (1946 war
jeder 5. Hesse Zugezogener).
Die Katastrophe hatte aber
nicht nur ihre menschlich
leidvolle und verheerende
materielle Seite, sondern auch
ihre politisch-moralische. Mit
dem Sieg über das sog. Dritte
Reich brach die NS-Diktatur
mit Schmach und Schande in
sich zusammen, nun erfuhr
die deutsche Bevölkerung, mit
welchen brutalen Mitteln die
Nationalsozialisten ihre Macht
und ihre Ideale nicht nur im
eigenen Land, sondern v.a.
auch in den besetzten
Gebieten durchgesetzt hatte. Diese
Wahrheiten erzeugten ernste Zweifel, ob
die Deutschen überhaupt jemals wieder
in den Kreis der zivilisierten Völker
aufgenommen würden.
Der amerikanische Besatzungsmacht lag
jedoch nicht nur am militärischen Erfolg,
sondern sie hatte auch politische
Ziele. Bereits beim Einmarsch verkündete
die allenthalben angeschlagene
Proklamation Nr. 1: „Wir kommen als
ein siegreiches Heer, jedoch nicht als